06.07.2019
Auszeichnung für die leise Kämpferin und den starken Sepp

Christa Gerdes und Sepp Bengler erhalten die höchste Auszeichnung für Gewerkschafter: die Hans-Böckler-Medaille

Josef Bengler und Christa Gerdes

Josef Bengler (2. von rechts) und Christa Gerdes mit Bayerns DGB-Chef Matthias Jena (links) und IG Metall-Bezirksleiter Johann Horn (Fotos: Werner Bachmeier)

Diese Metallerin und dieser Metaller sind ausgezeichnet: Auf der 69. Bezirkskonferenz der IG Metall Bayern in Unterhaching ehrte sie Bayerns DGB-Chef Matthias Jena mit der Hans-Böckler-Medaille. Jena: "Solche Vorbilder brauchen wir, denn Gewerkschaften leben vom Engagement ihrer Mitglieder, vom Engagement der Kolleginnen und Kollegen." Die Hans-Böckler-Medaille ist die höchste Auszeichnung, die der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Gewerkschaften vergeben.

Das sind die Ausgezeichneten:

Christa Gerdes stammt aus einer regelrechten Gewerkschafter-Familie. Ihr Vater: einst bei Thyssen beschäftigt und bis heute Metaller. Der Onkel: Betriebsrat. Und Christa selbst: Nicht laut, aber durchsetzungsstark.

Mit 35 Jahren ließ sich die Diplom-Physikerin in den Betriebsrat bei Siemens Healthineers wählen. Später zur freigestellten Betriebsrätin und stellvertretenden Vorsitzenden. Eines von Gerdes größten Anliegen in einer Männerdomäne: die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Kinder- und Ferienbetreuung. "Du hast Dich dafür eingesetzt, dass Frauen faire Chancen bekommen und gleiche Qualifikationen berücksichtigt werden", lobte Bayerns DGB-Chef Matthias Jena die Erlangerin.

Mit Christas Engagement wurde etwa der Internationale Frauentag im Betrieb zu einem wichtigen Ereignis. Besonderes Augenmerk der heute 63-Jährigen, die jetzt bei der Siemens AG in Altersteilzeit ist: bessere Bedingungen für Leihbeschäftigte, bessere Übernahmeregelungen und dass die unteren Entgeltgruppen in Tarifverhandlungen besonders gestärkt werden und Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit der Qualifizierung erhalten. Jena lobte: "Auf dich hören die Leute und die Leute hören dir zu."

Für Christa Gerdes endete der Einsatz für die Gewerkschaft allerdings nicht am Werkstor Halt. So etwa als Sprecherin des Forchheimer Bündnisses "Bunt statt braun". Matthias Jena lobte das als richtige Lehre aus der Nazi-Herrschaft: "Nur gemeinsam in großen Bündnissen lässt sich Protest gegen rechte und rechtspopulistische Parteien und Vereinigungen organisieren."

 

Bereits mit 15 Jahren ist Sepp Bengler in die Gewerkschaft eingetreten. Seine Wurzeln: die Maxhütte. "Die hat nicht nur guten Stahl, sondern auch gute Gewerkschafter macht", sagte Matthias Jena. Nach Sepp Benglers Wechsel zu BMW wurde er sofort Betriebsrat - und sammelte in seinem Gewerkschafter-Leben nicht nur viele Ämter, sondern vor allem auch viele Erfolge.

Benglers besonderes Anliegen: viele Gewerkschaftsmitglieder und ein hoher Organisationsgrad als Grundlage, um die Arbeit im Betrieb für Beschäftigte besser zu machen. Das tat der heute 62-Jährige als Vorsitzender der Jugendvertretung, Betriebsrat der Maxhütte - wo er sich einen leidenschaftlichen und erbitterten Kampf um die Schließung führte -, Vorsitzender der Vertrauensleute-Ausschüsse in Geschäftsstelle, Bezirk und beim Vorstand, Ortsvorstand, freigestellter BMW-Betriebsrat in Regensburg, später Vize-Betriebsratschef bis hin zum Beirat der IG Metall.

Der DGB-Chef lobte insbesondere Sepp Benglers Einsatz auf Seminaren und in der Schulung: "Kolleginnen und Kollegen beschreiben dich als einen Menschen mit 'Harter Schale und weichem Kern'. Man könnte fast sagen, ein echter Oberpfälzer eben, der immer eine offene Tür und ein offenes Ohr hat und den man gerne um Rat fragt", sagte Jena.  

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