16.01.2019
Textil/Bekleidung: Arbeitgeber setzen auf Eskalation

Die zweite Tarifverhandlung für die 100.000 Beschäftigten der Textil- und Bekleidungsindustrie ist ohne Ergebnis geendet. Die Arbeitgeber provozieren mit einem völlig unzureichenden Angebot.

Deutliche Zeichen Richtung Arbeitgeber: entschlossene Beschäftigte in Neu-Ulm

Über 250 Metallerinnen und Metaller kamen zur Kundgebung vor dem Verhandlungshotel

Ein Bus aus Franken unterstützte die Aktion

Die bayerische Verhandlungskommission (Fotos: IG Metall Bayern)

5,5 Prozent höhere Entgelte, eine verbesserte Altersteilzeit sowie Gespräche über eine Wahloption Zeit statt Geld: Die Arbeitgeber der Textil- und Bekleidungsindustrie haben den Faden der IG Metall bei der zweiten Tarifverhandlung in Neu-Ulm nicht aufgenommen. Stattdessen verstrickten sie sich mit einem Jammer-Angebot in eine zu erwartende Eskalation.

Angebot unter Inflationsrate

Die Arbeitgeber forderten einen Nullmonat und eine Laufzeit des neuen Tarifvertrags von langen zweieinviertel Jahren. Geboten haben sie lediglich zwei Tariferhöhungen von 1,7 Prozent. Damit liegt das Angebot sogar unter der Inflationsrate von 1,9 Prozent für das Jahr 2018. Eine Verbesserung der Altersteilzeitregelung lehnen die Arbeitgeber ab, von einer Wahloption "Zeit statt Geld" wollen sie nichts wissen.

Harte Auseinandersetzung erwartet

IG Metall-Verhandlungsführer Manfred Menningen nannte das formale Arbeitgeber-Angebot mickrig: "Die Branche wird nur dann für Fachkräfte attraktiv sein, wenn sie den Beschäftigten entsprechende Angebote macht. Das von den Arbeitgebern vorgelegte Angebot ist in der Summe zu mickrig und auch die Laufzeit ist zu lang. Die Arbeitgeber hatten es heute in der Hand, dass der Tarifkonflikt nicht eskaliert. Leider haben sie die Chance nicht genutzt." 

Carsten Kuttnik, Branchenbeauftragter bei der IG Metall-Bezirksleitung Bayern, sagte: "Offenbar haben die Arbeitgeber kein Interesse an einer Neugestaltung von Tarifverträgen. Dieses Angebot können wir nicht akzeptieren. Wir bereiten uns auf eine harte Auseinandersetzung vor." 

Bayerische Beschäftigte an Bord

In Bayern arbeiten rund 20.000 der insgesamt 100.000 Beschäftigten der Textil- und Bekleidungsindustrie, darunter einige Auto-Zulieferer. Begleitet haben die Verhandlungen bayerische Beschäftigte unter anderen aus den Betrieben BWF Tec, Spinnerei Neuhof, Glen Dimplex, Faurecia, SGL ACF, Mann und Hummel, TVU, belfein, Montana, Frank Walder sowie Mayser.

Die 3. Tarifverhandlung für die Branche ist für den 12. Februar 2019 in Bielefeld angesetzt. Die Friedenspflicht endet am 1. Februar um 0.00 Uhr.

zum Download:
2019_05_tarifinfo_Textil-Bekleidung.pdf
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