13.06.2018
Tarifverträge: Studie watscht Bayerns Arbeitgeber ab

Bayerns Unternehmen sind Schlusslicht in Westdeutschland: Nur 53 Prozent der Beschäftigten sind von einem Tarifvertrag geschützt. Mitverantwortlich macht eine neue Studie dafür die Politik des bayerischen Metall-Arbeitgeberverbands.

Gerecht geht nur mit Tarifvertrag

Beschäftigte verdienen mit einem Tarifvertrag 24 Prozent mehr als ihre Kolleginnen und Kollegen in Betrieben ohne Tarifbindung. Außerdem müssen sie pro Woche in Bayern 75 Minuten weniger für ihr Geld arbeiten. Doch das gilt für immer weniger im Freistaat. Laut einer aktuellen Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung genießen nur 53 Prozent der Beschäftigten den Schutz durch einen Tarifvertrag – sechs Prozent weniger als im westdeutschen Durchschnitt. Nur in Ostdeutschland ist die Tarifbindung noch niedriger als in Bayern.

Ein Grund für diese Zahlen sieht die Studie in der Verantwortung der bayerischen Metall-Arbeitgeber. Sie bieten im Freistaat zweierlei Mitgliedschaften an: vbm (mit Tarifbindung) und Bayme (ohne Tarifbindung). In keinem anderen Bundesland fänden sich so hohe Anteile von Betrieben ohne Tarifbindung in einem Arbeitgeberverband wie in Bayern, heißt es in der Studie.

Zum Vergleich: In Bayern hatten 80 Prozent der organisierten Betriebe aus der Metall- und Elektroindustrie eine Mitgliedschaft ohne Tarifbindung. Solche Mitgliedschaften bieten Arbeitgeberverbände zwar auch anderswo an. In Nordrhein-Westfalen entscheiden sich aber nur halb so viele Betriebe dafür wie in Bayern (40 %), in Rheinland-Pfalz beträgt der Anteil sogar nur 25 Prozent. Ende 2016 unterlagen im Freistaat nur 19,5 der verbandsgebundenen Firmen im Freistaat der Tarifbindung.

Selbst Unternehmen, die sich nach eigenen Angaben an Tarifverträgen orientieren, bekommen in der Studie ihr Fett weg: Dort erhalten die Beschäftigten im Schnitt neun Prozent weniger Geld als in Unternehmen mit einem ordentlichen Tarifvertrag.

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