10.10.2016
Flexibilität: gut nur mit Gestaltung

Das Thema Arbeitszeit steht aktuell ganz oben auf der Agenda der IG Metall. Eine der zentralen Annahmen - erhöhte Flexibilität muss mit mehr Gestaltung durch Beschäftigte und ihre Interessenvertretung einhergehen - erhält Unterstützung von neutraler Seite, nämlich der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA).

Die Anstalt legte am 10. Oktober die Ergebnisse einer aktuellen Studie vor, die Zusammenhänge zwischen Arbeitszeit, Gesundheit und Wohlbefinden untersucht hat. Eine Pressemitteilung der Behörde bringt wesentliche Erkenntnisse auf den Punkt: "Die konkrete Ausgestaltung der flexiblen Arbeitszeiten im Zusammenspiel zwischen betrieblichen Anforderungen einerseits und Belangen der Beschäftigten andererseits erweist sich als eine der zentralen Stellschrauben für flexible und gesunde Arbeitszeitgestaltung."

Der Arbeitszeitreport 2016 befasst sich mit Dauer und Lage von Arbeits- beziehungsweise Ruhezeiten sowie der Planbarkeit und Beeinflussbarkeit individueller Arbeitszeiten. Die Flexibilisierung der Arbeitszeit im Zuge einer sich ändernden Arbeitswelt, konstatiert die BAuA pragmatisch, "wirft hierbei neue Fragen auf, die es gilt, faktenbasiert und differenziert zu beantworten". Für den Report wurden rund 20.000 Beschäftigte in Deutschland befragt, sodass belastbare Aussagen zu Fragen der Arbeitszeitflexibilität und ihrer Gestaltung entstehen.

Vorstoß ins Privatleben

Wenngleich 80 Prozent der Befragten normalerweise wochentags zwischen 7 und 19 Uhr arbeiten, gibt es immer mehr Ausnahmen: 43 Prozent erleben mindestens einmal pro Monat Arbeit am Wochenende, regelmäßige Rufbereitschaft leisten 8 Prozent. Bei 22 Prozent erwartet ihr Arbeitsumfeld stillschweigend, dass sie auch im Privatleben für Dienstliches erreichbar sind, 12 Prozent werden häufig außerhalb der Arbeitszeit entsprechend kontaktiert, weitere 23 Prozent zumindest manchmal.

Diese Entwicklung schlägt sich auf das Wohlbefinden und letztlich die Gesundheit der Betroffenen nieder, folgert die BAuA: "Beschäftigte mit hohen betrieblichen Flexibilitätsanforderungen [...] schätzten ihr gesundheitliches Befinden tendenziell schlechter ein und sind unzufriedener mit ihrer Work-Life-Balance als andere Beschäftigte. Umgekehrt zeigt sich durchgängig, dass sich Einflussmöglichkeiten der Beschäftigten auf die Arbeitszeitgestaltung sowie Planbarkeit und Vorhersehbarkeit der Arbeitszeit positiv auf Gesundheit und Work-Life Balance auswirken."


» Download "Arbeitszeitreport Deutschland 2016" als PDF auf den Seiten der BAuA

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