27.09.2016
Interessenausgleich bei Siemens PD

Der Gesamtbetriebsrat der Siemens AG hat am 26. September einem Interessenausgleich für die von Abbau- und Verlagerungsplänen betroffenen Standorte von Process Industries and Drives (PD) zugestimmt. Der ursprünglich geplante Stellenabbau konnte um einige Hundert reduziert werden, außerdem bleiben zukunftsfähige Fertigungskapazitäten erhalten.

Eine von vielen Protestkundgebungen während der sechsmonatigen Auseinandersetzung.

Ursprünglich wollte Siemens rund 2.000 Stellen streichen oder verlagern, nun werden es in den nächsten vier Jahren rund 1.450 im Bereich PD mit Schwerpunkt auf den Fertigungsstandorten Bad Neustadt, Nürnberg und Ruhstorf. Weitere Streichungen in anderen Betrieben, darunter auch Erlangen, kommen hinzu, insgesamt werden rund 1.700 Stellen verschwinden. Die Firmenseite zeigte sich in den Verhandlungen unnachgiebig; die Arbeitnehmerseite konnte sich auf eine Vereinbarung zur Standort- und Beschäftigungssicherung stützen, die Standortschließungen und betriebsbedingte Kündigungen ausschließt.

IG Metall-Bezirksleiter Jürgen Wechsler sprach in einer ersten Reaktion von einer Enttäuschung für die Beschäftigten in den betroffenen Betrieben: "Die Abbauzahl ist schmerzlich und aus Arbeitnehmersicht nicht zufriedenstellend." Abgemildert wird das Ergebnis durch die Bedingungen, nach denen gut ausgestattete Auffanggesellschaften, umfangreiche Qualifizierungsmöglichkeiten, Regelungen zu vorgezogener Altersteilzeit sowie Versetzungen und Ringtauschoptionen für die Betroffenen angeboten werden.

Als zentrales Anliegen konnte die Arbeitnehmerseite ein Stück weit durchsetzen, dass die für die Zukunft der Standorte entscheidende Verlagerung von Produktionskapazitäten eingeschränkt wurde. An allen drei bayerischen Standorten bleiben Fertigungskompetenzen erhalten, Nürnberg und Bad Neustadt erhalten in bestimmten Bereichen Lead-Funktionen. Trotz dieses qualitativen Teilerfolgs betonte Wechsler allerdings, die IG Metall fordere von Siemens unverändert ein Moratorium für die Verlagerungen in billigere Länder.

Siemens ist nun gefordert, bei der Umsetzung des Kompromisses seine Verantwortung für die Beschäftigten und die Standorte wahrzunehmen. Die vereinbarten Standortkonzepte müssen umgesetzt, und insbesondere die Lead-Funktionen und Kompetenzen der Standorte klar definiert und durch Investitionen sowie zukünftige strategische Planungen gestärkt werden. Außerdem sind während des vierjährigen Prozesses alle Möglichkeiten zu nutzen, die Abbauzahlen weiter zu verringern.

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