16.03.2015
Überarbeitete Mitarbeiter, ausgebrannte Manager

Die Barmer GEK als zweitgrößte deutsche Krankenkasse gibt seit über zehn Jahren gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung einen Gesundheitsmonitor heraus. Ein beherrschendes Dauerthema ist die Gesundheit am Arbeitsplatz, zu der in der neuesten Ausgabe eindringlich vor selbstgefährdendem Verhalten gewarnt wird.

(Gesundheitsmonitor Barmer GEK / Bertelsmann Stiftung)

Das nämlich konstatiert die am 16. März vorgestellte Studie (Download als PDF) als eine der Folgen steigenden beruflichen Drucks: "Der steigende Ziel- und Ergebnisdruck in Unternehmen verleitet Beschäftigte in Deutschland dazu, mehr zu arbeiten, als ihnen gut tut. Damit wächst bei vielen die Gefahr, dass sie sich gesundheitlich selbst gefährden." Der repräsentativen Befragung von rund 1.000 Erwerbstätigen zufolge ist fast ein Viertel der Beschäftigten betroffen: "18 Prozent erreichen oft die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit, auf Pausen verzichten 23 Prozent. Jeder Achte erscheint krank im Unternehmen."

Druckspirale für Beschäftigte

Unter selbstgefährdendem Verhalten verstehen Experten den Verzicht auf Erholung, hohen Konsum beispielsweise von Nikotin und Medikamenten oder das Unterlaufen von Sicherheits-, Schutz- und Qualitätsstandards unterlaufen werden. Als Ursache werden in erster Linie "permanent wachsende Anforderungen" identifiziert. Über 40 Prozent der Befragten sehen ihr Arbeitsumfeld durch steigende Leistungs- und Ertragsziele geprägt; jeder Dritte "weiß nicht mehr, wie er die wachsenden Ansprüche im Betrieb bewältigen soll". Hinzu kommt obendrein ein Teufelskreis steigender Anforderungen, denn einmal erfüllte Vorgaben führen oft dazu, dass sie danach als "normal" gelten. Negativ abgerundet wird diese Entwicklung durch fehlenden Einfluss der Betroffenen - die Hälfte der Befragten empfindet keinen oder nur geringen Einfluss auf die eigene Arbeitsmenge.

Unternehmen in der Verantwortung

Bei der Bertelsmann Stiftung sieht man, auch wenn diese das meist ungern hören, vor allem die Unternehmen in der Verantwortung: "Das Management kann die Leistungskultur maßgeblich beeinflussen und durch realistische Arbeitsziele ein gesünderes Arbeitsumfeld schaffen." Weitgehend offen lässt die Studie allerdings die kontroverse Frage, wie realistisch die Hoffnung ist, dass bei den Unternehmen entsprechende Verbesserungen aus Einsicht angegangen werden. Die Barmer GEK ist in dieser Hinsicht offenbar erstaunlich optimistisch: "Wir brauchen in erster Linie keine neuen Rechtsvorschriften. Wir brauchen in Unternehmen eine Kultur, die Gesundheit als Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg anerkennt und fördert."


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