02.12.2014
Arbeitskosten: kein Grund zu Zurückhaltung

Die Forderungen der IG Metall für die Metall- und Elektrotarifrunde 2015 stoßen wie zu erwarten auf lauten Protest der Arbeitgeber. Ein Standardargument sind dabei die angeblich ohnehin schon viel zu hohen Arbeitskosten - aber was ist da eigentlich wirklich dran?

(Arbeitskosten je geleistete Stunde 2013 in Euro, Quelle: Statistisches Bundesamt)

"IG Metall kann die aktuelle Lage nicht ignorieren"

"Bayern hat mit die höchsten Arbeitskosten weltweit" klagten die bayerischen M+E Arbeitgeberverbände bayme vbm am ersten Dezember und verwiesen wie gewohnt auf die Gefahren für die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Schon zuvor hatten sie als Reaktion auf die Tarifforderung der IG Metall betont, aufgrund der "massiven konjunkturellen Unsicherheiten und der seit Jahren stetig sinkenden internationalen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen M+E Industrie" sei "der Spielraum für Lohnsteigerungen sehr begrenzt". Das Fazit: "Die IG Metall kann die aktuelle Lage nicht ignorieren."

Tut sie auch nicht

Tatsächlich hat die IG Metall bei der Erstellung ihrer Engeltforderung die aktuelle Lage keineswegs ignoriert, sondern gründlich in Betracht gezogen. Die Foderungshöhe von 5,5 Prozent setzt sich zusammen aus der Zielinflation der Europäischen Zentralbank für 2015 (2%), der erwarteten Produktivitätssteigerung der Gesamtwirtschaft (1,5%) und einer Umverteilungskomponente (2%). Letztere ist den Arbeitgeberverbänden traditionell ein besonderer Dorn im Auge, wird aber zu ihrem Leidwesen gerade derzeit unter anderem von der Bundesbank und der Europäischen Zentralbank als Impuls für die Binnennachfrage ausdrücklich befürwortet.

Geduldige Statistiken

Bleibt die Frage, ob denn die deutschen Arbeitskosten wirklich so hoch sind, dass sie die Wettbewerbsfähigkeit der Metall- und Elektrobranche bedrohen. Der vbm geht mit den Quellen für seine Drohkulisse zurückhaltend um, ein Verweis auf das Institut der Deutschen Wirtschaft erlaubt dennoch, den wahrscheinlichen Ursprung herauszufinden. Das Institut beziffer dort die Stundenkosten mit 38 Euro 88, vom vbm auf "knapp 39 Euro" gerundet. Beim "Nachteil" gegenüber anderen Industrieländern spricht der vbm von "gut einem Viertel", das Institut hingegen von fast einem Viertel. Und: Es handelt sich um Zahlen für 2012. Da spielt es schon kaum mehr eine Rolle, dass die Träger des IW bekanntlich die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und der Bundesverband der Deutschen Industrie sind.

Genauere und neuere Zahlen, nämlich für 2013, gibt es unter anderem beim Statistischen Bundesamt, dem man relative Neutralität unterstellen darf. Dieses nennt als Arbeitskosten in der Privatwirtschaft 31 Euro 70 - also weit weniger als vom vbm ins Feld geführt. Und einen weiteren Aspekt lässt der vbm gleich ganz unerwähnt: Den Anstieg der Arbeitskosten. Dort liegt Deutschland seit Jahren insgesamt hinter dem EU-Durchschnitt zurück, was bereits wiederholt zu Kritik aus Brüssel führte. Die neuesten Zahlen vom 2. Quartal bestätigen diesen Trend ein weiteres Mal, verlautbart das Statistische Bundesamt: Darin nämlich "[...] verteuerte sich in Deutschland eine Stunde Arbeit im Vergleich zum Vorjahr kalenderbereinigt um 0,5 %. In der gesamten EU lag der durchschnittliche Anstieg der Arbeitskosten in diesem Zeitraum bei 1,2 %."

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