28.11.2013
Nachhaltigkeit als Leitidee

Im Rahmen eines Themenforums setzten sich rund 70 TeilnehmerInnen an der Kritischen Akademie Inzell mit Nachhaltigkeit in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, Unternehmensführung und im Finanzsystem auseinander. Als Referenten standen, wie an der Akademie gewohnt, namhafte Vertreter aus Wissenschaft, Gewerkschaft, Politik und Wirtschaft zur Verfügung.

Jürgen Kerner zu nachhaltiger Unternehmenspolitik am Beispiel Siemens.

Anschaulich erklärte Prof. Dirk Sollte das Unwesen der Finanzindustrie.

Begrüßung und Moderation: Wilfried Hess und Gebhard Schwägerl von der Kritischen Akademie.

Was wir weitergeben sind unglaubliche Schulden

"Von Nachhaltigkeit sind wir weiter entfernt als je zuvor", attestierte Politikberater Prof. Dr. Dirk Solte mit Blick auf die Dimensionen Ökologie, Bevölkerungswachstum und Teilhabegerechtigkeit sowie die Ökonomie. Nicht nur im Bereich der Umwelt leben wir auf Pump, in der Ökonomie wächst das im Umlauf befindliche Geld seit 40 Jahren schneller als die weltweite Wertschöpfung.

"Statt Trüffeltorte den Apfelkuchen und jeder bekommt ein Stück"

Bildlich gesprochen gilt aus Sicht Soltes: "Der Kuchen, den es für alle gibt, werde nicht größer." Es müsse anstatt Trüffeltorte also eher Apfelkuchen geben und die Zugangs- und Verteilungsordnung müsse sich ändern. Der Wirtschaftsexperte schlägt einen ausbalancierten Wandel vor, um den Kollaps, aber auch die Ökodiktatur zu vermeiden. Neben allgemeinen Zusammenhängen und globalen Lösungsstrategien hat er konkrete Änderungsvorschläge, wie der Wandel zu gestalten sei.

Als Belegschaft die Nachhaltigkeit einfordern

Nachhaltigkeit im Unternehmen erläuterte Jürgen Kerner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, am Beispiel Siemens. Einem Konzept 2014 des Vorstands der Siemens AG mit kurzfristigem Profitdenken und einer Marge von 12 Prozent stellt die IG Metall ein nachhaltiges Konzept entgegen. Bei Siemens bestimmten die Finanzinvestoren die Leitlinien und nicht die
unternehmerische Vernunft und die Nachhaltigkeit. Kerner verwies darauf, dass es ebenfalls ein Nachhaltigkeitsziel sei, wenn in einem Unternehmen auch in 10 Jahren noch gleich viele Beschäftigte arbeiten können und nicht, wie im Beispiel Siemens, 10.000 Beschäftigte abgebaut werden sollen. Im Aufsichtsrat bekomme Kerner mit, wie groß der Druck sei, wenn wöchentlich die Bewertungen der Finanzinvestoren an den Vorstand bei Siemens geschickt werden. So komme es, dass zukunftsträchtige Geschäftsfelder abgegeben werden, weil ein normales positives Geschäftsergebnis nicht mehr reiche und ein sofortiger Maximalgewinn ausschließlich entscheidend ist. Da reiche nicht, wenn den Betriebsräten und der IG Metall von einfachen Arbeitern bis Hochqualifizierten bestätigt werde, wie sinnhaft das Gegenkonzept der Belegschaft im Vergleich zur reinen Orientierung auf kurzfristige Interessen der Finanzanleger ist - es müsse neben der Kompetenz in den Konzepten auch Gegendruck entwickelt werden.

Wirtschaft und Organisationen für die Menschen, nicht umgekehrt

Wenn der Schweizer Unternehmensberater Daniel Gerber von großen Konzernen und mittelständischen Unternehmen zur Hilfe gerufen wird, stellt er seiner Beratung die Frage voran, was "Gutes Leben" eigentlich ist. In Unternehmen legt er Wert darauf, dass bei dieser Frage auch die Beschäftigten beteiligt werden.

Kosten oder Investition in Nachhaltigkeit?

Mit Blick auf die Politik meinte Dieter Janitschek, Chef der Bayerischen Grünen, es bedürfe eines veränderten politischen Rahmens. Wenn der Einzelne alleine sein Handeln ändere oder wenn man zögernd beginne, bei den Stellschrauben eine nach der anderen zu drehen, reiche dies mittlerweile nicht mehr. Zur Energiepolitik regte er an: Die Europäer seien diejenigen, denen als erstes die fossilen Brennstoffe ausgehen. Schon alleine deshalb mache es Sinn, dass sie mit einer nachhaltigen Energie- und Klimapolitik vorangingen. Grundsätzlich sei zu fragen, wann von Kosten und wann von Investitionen in eine nachhaltige Entwicklung zu sprechen sei.

Heute an die nächste Generation denken

Prof. Dr. Dr. Tremmel von der Universität Tübingen skizzierte den Rahmen für eine generationengerechte Politik. Anhand von Zeitskalen zeigte er in welchen Zeitdimensionen Politik denke und wie in kurzer Zeit etwas gemacht werde, was die
Menschen viele Generationen beeinträchtigen wird. Generationengerechtigkeit heiße, dass wir und die nächste Generation ein gutes Leben führen können. Generationengerechtigkeit ohne Nachhaltigkeit gehe nicht. Wer an die künftige Generation denke, müsse heute sein Handeln darauf abstellen.

Um heute die Zukunft zu sichern, nahmen die Teilnehmer des Themenforums viele neue Einsichten, Änderungsideen und auch den Mut mit, heute damit anzufangen. Gebhard Schwägerl, stellvertretender Akademieleiter, stellte zum Ende erfreut fest: "Das war eines unserer inhaltlich besten Themenforen, Danke an die Referenten und die zahlreichen Diskutanten."

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