02.12.2015
Produktiver mit Betriebsrat

Die Abwehr von Interessenvertretung ist manchen Unternehmen ein Anliegen, für das sie sogar gutes Geld an entsprechende Berater zahlen. Damit bewegen sie sich allerdings nicht nur in einer moralisch und meist zudem rechtlich fragwürdigen Grauzone, sondern liegen auch wirtschaftlich schief - Betriebsräte sind langfristig gut für die Produktivität.

(Cartoon: Harm Bengen)

Die aktuelle Ausgabe von Boeckler Impuls berichtet von einer Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, die Daten aus Betrieben in den Jahren 1998 bis 2013 untersucht vor der Fragestellung ausgewertet haben, wie sich die Produktivität in Verbindung zu betrieblicher Interessenvertretung entwickelt.

Das Ergebnis variiert abhängig von der zeitlichen Entwicklung. In den ersten beiden Jahren nach Neugründung eines Betriebsrats sinkt die Wertschöpfung pro Arbeitnehmer um gut fünf Prozent. Dann beginnt eine Umkehr, so dass ab dem fünften Jahr ein "stetiger und substanzieller Zuwachs" entsteht. 15 Jahre nach der Betriebsratsgründung schließlich liegt die Produktivität um durchschnittlich 25 Prozent höher.

Die Forscher der beiden Institute sind trotz einiger nicht messbarer Aspekte überzeugt, dass ihre Ergebnisse auf einem ursächlichen Zusammenhang basieren. Den anfänglichen Rückgang der Produktivität hingegen führen sie weniger auf die Arbeit des Betriebsrats an sich zurück als auf die Tatsache, dass Neugründungen häufig in Situationen erfolgen, die bereits durch wirtschaftliche Schwierigkeiten geprägt sind. Anschließend vergeht wie bei jeder einschneidenden Änderung im Unternehmen eine gewissen Anlaufphase, bis sie effektiv greift. Von daher sind Betriebsratsgründungen gewiss kein Mittel, um die Produktivität kurzfristig zu steigern - auf Dauer jedoch tragen sie zu Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit bei.

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