29.10.2021
13.000 Beschäftigte in Bayern demonstrieren für fairen sozial-ökologischen Wandel

PM 62 | 40 Aktionen in Bayern bei bundesweitem IG-Metall-Aktionstag – Bayerns IG-Metall Bezirksleiter Horn ermahnt Koalitionsverhandler, Interessen der Beschäftigten zusammen mit Klimaschutz in den Mittelpunkt zu stellen

Kundgebung in München (Foto: IG Metall/Werner Bachmeier)

Kundgebung in Schweinfurt (Foto: IG Metall/Willi Schmidt)

13.000 Beschäftigte haben heute in ganz Bayern für einen fairen sozial-ökologischen Wandel von Industrie und Gesellschaft demonstriert. Im Rahmen eines bundesweiten Aktionstages fanden rund 40 Demonstrationen, Kundgebungen und betriebliche Aktionen in allen bayerischen Regionen statt. Die größten Demonstrationen gab es in Schweinfurt und München. Zu weiteren öffentlichen Kundgebungen versammelten sich Beschäftigte in Bad Windsheim, Bamberg, Nürnberg, Passau, Regensburg, Schwabach und Frontenhausen.

In München übergaben Vertreter*innen der IG Metall gemeinsam mit rund 1.100 Beschäftigten zunächst bei vier zeitgleichen Auftaktkundgebungen vor den bayerischen Parteizentralen von SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und CSU die Forderungen der Gewerkschaft. In vier Demozügen zu Fuß, mit dem Fahrrad und mit dem Auto zogen die Beschäftigten anschließend zur gemeinsamen Kundgebung auf dem Odeonsplatz, an der sich auch ein Redner des BUND Naturschutz beteiligte.

Dort ermahnte der bayerische IG Metall-Chef Johann Horn in seiner Rede die Koalitionsverhandler, die Interessen der Beschäftigten zusammen mit dem Klimaschutz in den Mittelpunkt der künftigen Regierungspolitik zu stellen: "Eine gute Zukunft gibt es nur sozial und ökologisch. Wir brauchen keine Absichtserklärungen. Sondern wir brauchen verbindliche Investitionen für eine moderne ökologische Industrie und eine verbriefte Absicherung und Qualifizierung der Menschen im Wandel."

Horn warnte die Koalitionäre davor, grundlegende Beschäftigtenrechte wie den Acht-Stunden-Tag aufzuweichen. Die umlagefinanzierte Rente müsse gestärkt und dürfe nicht durch ein System der Kapitaldeckung zum Spielball der Finanzmärkte werden. Zur Finanzierung der nötigen Zukunftsinvestitionen müssten Vermögende am meisten beitragen.

Konkret fordert die IG Metall von der künftigen Bundesregierung unter anderem öffentliche Zukunftsinvestitionen in Höhe von 500 Milliarden Euro bis 2030. Von den Unternehmen soll die Bundesregierung verbindliche Zusagen für Beschäftigung, Ausbildung und Qualifizierung verlangen. Die Mitbestimmungsrechte der Beschäftigten bei den Themen Qualifizierung und Standortsicherung sollen gestärkt werden. Horn: "Es kann nicht sein, dass Unternehmen Verlagerungen und Werksschließungen gegen die Stimmen der Beschäftigten durchsetzen."

In Schweinfurt sind Beschäftigte von ZF, SKF, Schaeffler und Bosch Rexroth am Morgen in Demonstrationen zur Hahnenhügelbrücke zu einer gemeinsamen Kundgebung mit knapp 2.000 Teilnehmern gezogen. Dort sind Beschäftigte aus weiteren Betrieben im Raum Schweinfurt, Rhön und Haßberge sowie aus den Regionen Würzburg und Aschaffenburg hinzugestoßen.

Ralf Kutzner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, sagte in seiner Rede in Schweinfurt: "Die bevorstehende Transformation der Industrie bedeutet mehr als ein bisschen Digitalisierung, neue Windräder und Ladesäulen für E-Autos. Es geht um einen grundlegenden und unumkehrbaren Wandel in dem, was und wie wir produzieren. Es geht um die Zukunft unserer Arbeit. Diese Veränderungen werden nur mit den Beschäftigten gelingen, nicht gegen sie."

Bereits gestern Abend trafen sich 600 Beschäftigte aus zahlreichen Betrieben der Region in Augsburg zu einer zentralen Aktion vor der MAN Energy Solutions. Auch die IG BCE beteiligte sich an der Aktion. Dort richtete sich in seiner Rede Jürgen Kerner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, an die Koalitionäre in Berlin: "Die Beschäftigten sind bereit die Herausforderungen anzunehmen und ihren Beitrag für das Projekt einer klimaneutralen Industrie zu leisten. Das zeigt dieser Tag sehr eindrücklich. Doch die politischen Rahmenbedingungen fehlen. Ohne die notwendigen, verbindlichen Zusagen aus Berlin und Brüssel kann der Wandel nicht gelingen. Deshalb ist unsere Botschaft heute eindeutig: Deutschland muss Industrieland bleiben. Mit zukunftsfähigen Arbeitsplätzen. Dazu muss sich die künftige Bundesregierung eindeutig bekennen und die richtigen Rahmenbedingungen schaffen."

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