02.07.2021
IG Metall-Bezirksleiter Horn: "Mehr Mitbestimmung wagen"

PM 50 | "Während die Welt mit einer Krankheit kämpft, erfreut sich der Kapitalismus bester Gesundheit" – Erster Vorsitzender Jörg Hofmann bei Bezirkskonferenz in München: "Sozialer, ökologischer und demokratischer Wandel der Industrie ist zentrale Frage bei Bundestagswahl"

IG Metall-Bezirksleiter Johann Horn (l.) und der Erste Vorsitzende Jörg Hofmann bei der Bezirkskonferenz in der Messe München. Foto: Bachmeier

Die IG Metall ist überzeugt, dass ein sozialer und ökologischer Wandel in der Industrie nur mit mehr Mitbestimmung gelingen kann. "Klimaschutz, veränderte Mobilitätskonzepte, neue Produkte und Produktionsweisen, Digitalisierung, Verlagerungen, Steuerflucht: Wer hier auf die Freiheit des Marktes vertraut, wird Ausbeutung als Antwort bekommen. Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert", sagte IG Metall-Bezirksleiter Johann Horn heute bei der Bezirkskonferenz der IG Metall Bayern in der Messe München vor 100 Delegierten.

Das hätten auch die Entwicklungen während der Corona-Krise gezeigt, so Horn weiter: "Während die Welt mit einer Krankheit kämpft, erfreut sich der Kapitalismus bester Gesundheit. Es ist atemberaubend, wie sich allein 2020 in Deutschland die Zahl der Millionäre nach oben entwickelt hat." Im vergangenen Jahr ist in Deutschland die Zahl der Vermögensmillionäre um 58.000 auf 2,1 Millionen gestiegen (Quelle: Wohlstandsbericht Credit Suisse). "Während Beschäftigte im Niedriglohnsektor tagtäglich um ihre Existenz zittern, träumen unsere Superreichen von Steuerparadiesen", folgert Horn.

Nur mit einer demokratischeren Wirtschaft könne sich die Gesellschaft ökologisch und sozial weiterentwickeln. Horn macht klar: "Ich bin es leid, mit Ergänzungs-Tarifverträgen die brennenden Hütten mit Arbeitnehmer-Beiträgen zu löschen. Die Industrie muss sich wandeln. Wir brauchen eine ökologische Wende. Und wenn wir Nachhaltigkeit fordern, bedeutet das auch Nachhaltigkeit bei der Beschäftigung. Weniger Ohnmacht und mehr Mitbestimmung wagen."

Konkret forderte Horn die Politik auf, das Doppelstimmrecht für Aufsichtsratsvorsitzende abzuschaffen: "Unternehmens-Mitbestimmung muss mehr sein als ein paar Plätze am Katzentisch, wenn der Koch das Essen verbrennt."

Der Erste Vorsitzende der IG Metall, Jörg Hofmann, schlug als Gast bei der Bezirkskonferenz in die gleiche Kerbe: "Wir stecken mitten in der Transformation, in einer Zeit, die von großer Veränderung geprägt ist. Die IG Metall will einen fairen Wandel, einen Wandel, der soziale, ökologische und demokratische Ziele vereint und niemanden zurücklässt. In der anstehenden Bundestagswahl sollte das die zentrale Frage sein, der sich die Parteien, Kandidatinnen und Kandidaten stellen: Wie kriegen wir das hin? Und die Antworten darauf sollten wir alle uns ganz genau anschauen, bevor wir unser Kreuzchen setzen."

Hofmann zeigte sich zuversichtlich, dass die Beschäftigten bereit sind, für diese Ziele einzutreten: „Viele Menschen haben in der Corona-Krise die Kraft der IG Metall, von Gewerkschaften und Mitbestimmung neu schätzen gelernt, teilweise auch erst kennen gelernt. Diese zeigte sich sowohl vor Ort im Betrieb als auch in der Politik in Berlin, spätestens aber in unserer erfolgreichen Tarifbewegung zu Beginn dieses Jahres."

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