14.05.2020
Eskalation in Sonthofen: Voith-Beschäftigte streiken weiter für einen Sozialtarifvertrag

PM 29 / Unternehmen lehnt Alternativkonzept ab, Einigungsstellenverfahren gescheitert – Horn: „Wir haben dem Unternehmen die Hand gereicht, Voith hat das ausgeschlagen.“ – Betriebsratsvorsitzende Dolde: „Voith hat sein wahres Gesicht gezeigt und lässt keine echte Mitbestimmung zu.“

Daumen hoch für den Arbeitskampf: Die Voith-Beschäftigten streiken weiter für einen Sozialtarifvertrag. Foto: IG Metall

Nach drei Wochen Streik eskaliert der Konflikt um das Werk des Maschinenbauers Voith in Sonthofen mit rund 500 Beschäftigten weiter. Das Unternehmen hat ein weiteres Alternativkonzept der IG Metall zur Fortführung des Standortes mit reduzierter Belegschaft abgelehnt. Gleichzeitig ist das Einigungsstellenverfahren um einen Interessenausgleich zwischen dem Unternehmen und dem Gesamtbetriebsrat gescheitert. Johann Horn, Bezirksleiter der IG Metall Bayern, sagt: „Wir haben dem Unternehmen mit unserem Alternativkonzept abermals die Hand gereicht, Voith hat das ausgeschlagen. Die Beschäftigten in Sonthofen streiken jetzt weiter für einen Sozialtarifvertrag. Wir werden dazu kommende Woche in Verhandlungen eintreten.“
 
Konkret fordert die IG Metall einen Sozialtarifvertrag mit vernünftigen Abfindungen für die Beschäftigten. IG Metall-Mitglieder und Mitglieder mit tariflichem Alterskündigungsschutz sollen zusätzliche Abfindungen erhalten. Außerdem fordert die IG Metall Qualifizierungsmaßnahmen im Rahmen einer Transfergesellschaft auf Kosten des Arbeitgebers unter Fortzahlung eines Unterhaltsgeldes.
 
Das Unternehmen hat mit dem Gesamtbetriebsrat einen Sozialplan für die Beschäftigten in Sonthofen und in den ebenfalls von Schließungsplänen betroffenen Standorten Zschopau und Mülheim (Ruhr) vereinbart. Horn dazu: „Dieser Sozialplan markiert die unterste Haltelinie. Das ist für die Beschäftigten in Sonthofen zu wenig, um den Verlust ihrer Arbeitsplätze aufzuwiegen. Sie brauchen mehr finanzielle Absicherung und mehr Qualifizierungsmaßnahmen.“
 
Horn kritisiert das Vorgehen des Unternehmens scharf: „Die Beschäftigten in Sonthofen haben zwei Finanzinvestoren überstanden. Jetzt will ein schwäbisches Familienunternehmen ihre Arbeitsplätze vernichten, um durch Verlagerungen Kosten einzusparen.“ Und weiter: „Wir haben in Deutschland leider keine Mitbestimmung bei unternehmerischen Entscheidungen. Jetzt werden wir einen Sozialtarifvertrag erstreiken.“
 
Carlos Gil, Streikleiter und 2. Bevollmächtigter der IG Metall Allgäu, ergänzt: „Der Streik steht, und wir führen den Streik problemlos weiter, bis wir ein gutes Ergebnis haben. Wir erfahren hier eine unglaubliche Solidarität der ganzen Region, von Vereinen, parteiübergreifend von der gesamten Politik, bundesweit von der IG Metall. Das gibt den Streikenden einen enormen Rückenwind.“
 
Die Betriebsratsvorsitzende Birgit Dolde sagt: „Der Zusammenhalt der Belegschaft ist der Wahnsinn. Das Werk hat eine 500-jährige Tradition, hier haben schon unsere Väter, Großväter und deren Vorfahren gearbeitet. Viele haben auch Familienangehörige im Werk. Das kann Voith doch nicht einfach so wegwischen. Doch in den ganzen Verhandlungen, zuletzt im Einigungsstellenverfahren, hat Voith sein wahres Gesicht gezeigt. Voith lässt keine echte Mitbestimmung zu.“
 
Dietmar Jansen, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Allgäu, betont die wirtschaftliche Bedeutung des Voith-Werkes für die gesamte Region: „Voith ist der größte Arbeitgeber im Raum Sonthofen und auch einer der wichtigsten Ausbildungsbetriebe. Es gibt hier Zulieferer, die an Voith hängen. Und die rund 500 Arbeitsplätze bringen eine Menge Kaufkraft, von der vom Bäcker bis zum Handwerker auch viele andere Branchen profitieren.“

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