24.03.2020
Voith ignoriert Corona-Krise und will Schließung in Sonthofen durchsetzen

PM 15 / Horn: "So ein Vorgehen schafft keinen Zusammenhalt, sondern kann dazu führen, dass es die Gesellschaft zerreißt." – Arbeitgeberverband und Staatsregierung sollen eingreifen

Der Maschinenbauer Voith ignoriert die Corona-Krise und will die geplante Schließung des Werks in Sonthofen mit 500 Beschäftigten unbeirrt durchsetzen. Johann Horn, Bezirksleiter der IG Metall Bayern, kritisiert das Management des Unternehmens mit Sitz im baden-württembergischen Heidenheim dafür scharf: "Alle beschwören in der Corona-Krise die Solidarität, was auch absolut richtig ist. Doch Voith missachtet alle gesellschaftlichen Bemühungen, gemeinsam so gut wie möglich durch diese Krise zu kommen. Ein solches Vorgehen schafft keinen Zusammenhalt in der Krise, sondern kann dazu führen, dass es die Gesellschaft zerreißt."

Die 500 Voith-Beschäftigten stehen kurz vor einem Streik, um gegen die seit Monaten geplante Standortschließung zu kämpfen. In einem offenen Brief hatte die IG Metall dem Unternehmen in der vergangenen Woche mitgeteilt, den Streik wegen der Corona-Krise auszusetzen und nach der Krise den Dialog über den Erhalt des Standortes Sonthofen wieder aufzunehmen zu wollen. Dafür sollte das Unternehmen während der Corona-Krise die Schließungspläne auf Eis legen.

In seinem Antwortbrief lehnt Voith-Geschäftsführer Mathias Mörtl dieses Angebot ab und schreibt mit Verweis auf die Corona-Pandemie: "Umso wichtiger ist es, sich gerade in diesen unsicheren Zeiten nicht den Blick auf betriebswirtschaftliche Notwendigkeiten verstellen zu lassen […] Und gerade deshalb werden wir die Umsetzung wirtschaftlich sinnvoller Maßnahmen weiter entschlossen vorantreiben."

Horn kommentiert: "Die Politik hilft der Wirtschaft mit dreistelligen Milliardenbeträgen, und Voith macht business as usual und will seine Beschäftigten auf die Straße setzen. Jetzt ist von allen ein Blick über den betriebswirtschaftlichen Tellerrand hinaus gefragt. Alle müssen einen Beitrag leisten, diese Krise gemeinsam durchzustehen, auch jedes einzelne Unternehmen. Ich rufe den Arbeitgeberverband vbm und die Bayerische Staatsregierung auf, dem Unternehmen klarzumachen, dass solch ein Vorgehen in der aktuellen Lage nicht tolerierbar ist."

Das Ziel der IG Metall bleibt weiterhin, nach der Corona-Krise den Dialog mit dem Unternehmen wieder aufzunehmen, um den Standort Sonthofen und die dortigen Arbeitsplätze zu erhalten.

Das Voith-Werk in Sonthofen produziert Spezialgetriebe, erreichte in 2019 seine Umsatzziele und schrieb schwarze Zahlen. Dennoch soll die Produktion an andere Standorte verlagert werden, um Kosten zu sparen. Ein Alternativkonzept eines externen Unternehmensberaters im Auftrag des Gesamtbetriebsrats, das Einsparungen bringt und den Standort langfristig sichert, hatte das Unternehmen Anfang März abgelehnt.

zum Download:
voith_offener-brief-ig-metall.pdf
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gedruckt am 25.11.2020 / IG Metall Bayern online