12.03.2020
Urabstimmung bei Harman: 95 Prozent der IG Metall-Mitglieder votieren für Streik

PM 9 / IG Metall-Bezirksleiter Horn: "Die Beschäftigten werden den Bossen jetzt klarmachen, dass Verantwortung auch Geld kostet."

Die IG Metall-Mitglieder beim Automobilzulieferer Harman in Straubing haben sich mit überwältigender Mehrheit dafür ausgesprochen, mit einem unbefristeten Streik für einen Sozialtarifvertrag zu kämpfen. Bei der Urabstimmung stimmten über 95 Prozent der Mitglieder für einen Streik, bei einer Wahlbeteiligung von 96 Prozent.

Johann Horn, Bezirksleiter der IG Metall, sagt: "Aus Profitsucht verlagern die Harman-Verantwortlichen die Produktion an einen Billigstandort, doch ihre Verantwortung bleibt. Die Beschäftigten sind hier übel über den Tisch gezogen worden. Jetzt werden sie den Bossen klarmachen, dass Verantwortung auch Geld kostet."

Im Januar hatte Harman verkündet, das Werk in Straubing mit über 600 Beschäftigten im Jahr 2020 schließen zu wollen. Für sämtliche Lösungsvorschläge von IG Metall und Betriebsrat zur Sicherung des Standortes zeigte sich Harman nicht offen. Auch in den bisherigen Verhandlungen über einen Sozialtarifvertrag fehlte auf Unternehmensseite der Einigungswille.

"Deshalb werden wir jetzt mit den Beschäftigten den Druck gehörig erhöhen. Wir wollen einen anständigen Ausgleich für den Verlust unserer Arbeitsplätze und unseren jahrelangen Einsatz für die Firma. Wir lassen uns nicht auf diese unverschämte Weise abspeisen, und das wird das Unternehmen jetzt zu spüren bekommen", sagt der Betriebsratsvorsitzende Thomas Hegewald.

Konkret fordert die IG Metall in den Sozialtarifverhandlungen vernünftige Abfindungen für die Beschäftigten, die sich mit längerer Betriebszugehörigkeit erhöhen. IG Metall-Mitglieder sollen einen Bonus erhalten. Außerdem fordert die IG Metall Qualifizierungsmaßnahmen im Rahmen einer Transfergesellschaft auf Kosten des Arbeitgebers unter Fortzahlung eines Unterhaltsgeldes.

Am Freitagabend findet die nächste Verhandlung zwischen IG Metall und Harman über den Sozialtarifvertrag statt. Gibt es dort kein Ergebnis, muss der geschäftsführende Vorstand der IG Metall noch einen formellen Streikbeschluss fassen. Dann stehen die Zeichen auf Streik.

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