24.02.2020
25 Jahre Bayernstreik: Vereint nach vorne!

1995 blockieren die Arbeitgeber bei der 35-Stunden-Woche und höheren Einkommen. Wochenlang legen sie kein Angebot vor. Doch die Beschäftigten bewegen sie – mit dem historischen Bayernstreik, der bis heute wirkt.

Streikbeginn in Traunreut bei Bosch Siemens Hausgeräte: 1995 war das Jahr des historischen Bayernstreiks (Foto: Werner Bachmeier)

Hat auch 25 Jahre später seine Gültigkeit nicht eingebüßt: Streikende bei AEG in Rothenburg mit deutlichen Worten Richtung Arbeitgeber (Foto: Werner Bachmeier)

Dieser Kampf wirkt bis heute: 1995 zwangen die Mitglieder der IG Metall die Arbeitgeber zur Vernunft. Mehrere Jahrzehnte lang hatte die Angst-Aktion der Arbeitgeber von 1954 nachgewirkt. Über 1500 Beschäftigte wurden nach dem ersten Streik in Bayern nach dem Krieg gemaßregelt, gekündigt, auf schwarze Listen gesetzt und in Gerichtsprozesse verwickelt. 130 bekamen sogar Haftstrafen aufgebrummt. 1995 aber besiegelte das Ende der Angst.

Mitte der 1990er Jahre hatten die Arbeitgeber nichts gelernt – und wollten es wissen: Obwohl die Aufträge in der Metallwirtschaft zunahmen und speziell Bayern international aufholte, spielten sie die alte Leier: "Kostenentlastung" hier, längere Arbeitszeit dort, niedrigere Einstiegslöhne für Langzeitarbeitslose und eine spätere Einführung der 35-Stunden-Woche. 

Mit Aussitzen hatte es der bayerische Arbeitgeberverband vbm versucht: Selbst fünf 'Wochen nach Ablauf des Tarifvertrags legte er in der dritten Tarifverhandlung noch immer kein Angebot vor. Eine Frist der IG Metall bis zum 15.2.1995 zur Abgabe eines Angebots ignorierte der vbm.

Über 217.000 Kolleginnen und Kollegen hatten in 525 Betrieben zuvor Druck gemacht. Das war der Startschuss für eine historische Tarifrunde: Die IG Metall beschloss nach einer hohen Beteiligung an Warnstreiks, innerhalb von nur fünf Tagen die Urabstimmung über die Bühne zu bringen. Ergebnis: 88,36 Prozent der Metallerinnen und Metaller stimmten für den Streik, der am 24. Februar 1995 den historischen Bayernstreik einläuten sollte.

22 Betriebe mit ca. 25.000 Beschäftigten machen den Anfang. Am 1. März  1995 folgte die zweite Streikwelle mit weiteren elf Betrieben und 11.000 Beschäftigten. Die meisten Betriebe machten die Beschäftigten dicht, Auseinandersetzungen mit Streikbrechern gab es kaum.

"Mit Spannung verfolgten wir natürlich das Verhalten der Arbeitgeber zum Thema Aussperrung. Dem VBM war es nicht gelungen, in einer Mitgliederversammlung eine Mehrheit für einen Aussperrungsbeschluss zu bekommen", erinnert sich der damalige IG Metall-Bezirksleiter Werner Neugebauer.

Der Streik erzielte seine Wirkung: Am 6. März 1995 gingen die Verhandlungen weiter – mit einem unzureichenden Angebot der Arbeitgeber. "Für unsere Verhandlungskommission gab es aber unveränderliche Positionen: die Einführung der 35-Stunden-Woche und eine Einkommenssteigerung von vier Prozent", so Neugebauer.

Am 8. und 9. März 1995 unterstützten 92 Prozent der Mitglieder das Ergebnis in einer erneuten Urabstimmung. Der Streik konnte beendet werden – ohne ihn wäre die Einigung in dieser Höhe nicht zustande gekommen.

 

 

» drucken


Für ein besseres Kurzarbeitergeld