28.01.2020
Tarifrunde: IG Metall will Kaufkraft stärken und bietet Arbeitgebern vorgezogene Verhandlungen über Zukunftspaket an

PM 2 / Horn: „Die Arbeitgeber haben eine Verantwortung, den Beschäftigten Sicherheit im Wandel zu geben. Klimaschutz darf für die Beschäftigten keine Bedrohung sein.“ – Lehnen die Arbeitgeber ab, gibt es eine klassische Tarifrunde

Die IG Metall Bayern will in der kommenden Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie die Kaufkraft stärken und bietet dem Arbeitgeberverband vbm vorgezogene Verhandlungen über ein Zukunftspaket an. "Die Arbeitgeber haben eine Verantwortung, den Beschäftigten Sicherheit im Wandel zu geben. Denn Klimaschutz und der langfristige Weg zu einer emissionsfreien Industrie werden nur die Akzeptanz der Beschäftigten finden, wenn sie Sicherheit bekommen, statt um ihre Arbeitsplätze fürchten zu müssen. Klimaschutz darf für die Beschäftigten keine Bedrohung sein", sagte am heutigen Dienstag Bezirksleiter Johann Horn bei der Jahres-Pressekonferenz der IG Metall Bayern in München.

Die IG Metall bietet den Arbeitgebern konkret an, ohne eine bezifferte Forderung zur Erhöhung der Entgelte in diese vorgezogenen Verhandlungen zu gehen. Dafür müssen sich die Arbeitgeber bereiterklären, ab sofort keine einseitigen Maßnahmen zum Personalabbau, zur Verlagerung von Produkten und zur Schließung von Standorten zu ergreifen. Sie sollen also in ein "Moratorium für einen fairen Wandel" einwilligen. Horn: "Unser Ziel und unser Angebot ist, noch vor Ende der Friedenspflicht zu Ergebnissen zu kommen."

Viele Verbrenner-Betriebe haben kein Zukunftskonzept

Hintergrund des Vorstoßes ist, dass sich die bayerische Metall- und Elektroindustrie durch die Digitalisierung und den Trend zur E-Mobilität in einem tiefgreifenden Wandel befindet. Eine aktuelle IG Metall-Erhebung hat ergeben, dass allein in Bayern die Hälfte aller Zulieferbetriebe, die zu mehr als 75 Prozent vom Verbrennungsmotor abhängen, heute noch keine Alternative und keine Idee für die Zukunft hat. "Zu viele Verbrenner-Betriebe haben kein Zukunftskonzept. Wir wollen diese Betriebe in die Pflicht nehmen und anschieben auf dem Weg in die Zukunft", sagt Horn.

Zukunftstarifverträge statt Kündigungen

In einem Tarifvertrag zum Zukunftspaket sollen sich die Arbeitgeber verpflichten, auf betrieblicher Ebene in Verhandlungen zu Zukunftstarifverträgen einzusteigen. In diesen Zukunftstarifverträgen sollen konkrete Investitionen und Produkte für nachhaltige Perspektiven der Standorte und der Beschäftigten festgelegt werden. Dazu sollen auch die dafür notwendigen Maßnahmen der Personalentwicklung und Qualifizierung vereinbart sowie betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen werden.

Zum Zukunftspaket soll auch gehören, dass bei Unterauslastung vorrangig das Arbeitsvolumen ohne Entgeltabsenkung reduziert wird. Etwa durch die Nutzung von Arbeitszeitkonten, Kurzarbeit mit Aufzahlung und Arbeitszeitabsenkung mit Teillohnausgleich. Ziel ist, Stellenabbau zu vermeiden und Fachkräfte im Betrieb zu halten. Außerdem soll jeder Beschäftigte Anspruch auf eine geförderte berufliche Qualifizierung im Rahmen des Qualifizierungschancengesetzes erhalten.

Privater Konsum treibt das Wachstum

Weiterhin will die IG Metall in der Tarifrunde mit Entgeltsteigerungen die Kaufkraft stärken. Horn: "Die Wachstumsprognosen zeigen nach oben, und der private Konsum treibt das Wachstum. Wir müssen die Kaufkraft stärken, sonst bremsen wir das Wachstum. Außerdem machen die Unternehmen weiter gute Gewinne. Es gibt keinen Grund zur Lohnzurückhaltung, sondern es gibt einen Verteilungsspielraum. Zudem brauchen die Beschäftigten einen Lohnzuwachs, um den Klimaschutz zu bezahlen. Denn die Kosten des Klimaschutzes werden auf die Verbraucher umgelegt."

Dazu diskutiert die IG Metall auch einen Nachhaltigkeitsbonus für IG Metall-Mitglieder. "So leisten auch die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie einen Beitrag zum Klimaschutz. Zudem fördern die Tarifpartner so den Klimaschutz und seine Akzeptanz", so Horn.

Die Arbeitgeber haben nun bis zum 3. Februar Zeit, vorgezogenen Verhandlungen zu diesem Zukunftspaket zuzustimmen. Wenn die Arbeitgeber das Gesprächsangebot ablehnen oder diese Gespräche scheitern, wird die IG Metall in eine klassische Tarifrunde gehen. Horn: "Dafür werden wir eine bezifferte Entgeltforderung aufstellen, die sich an den üblichen Kenngrößen orientiert." Warnstreiks nach Ablauf der Friedenspflicht ab dem 29. April werden dann möglich.

Mehr Mitglieder in den Betrieben

Wie die aktuellen Mitgliederzahlen zeigen, hat die IG Metall Bayern ihre Kraft in den Betrieben weiter gestärkt. Die Zahl der betriebsangehörigen Mitglieder ist zum Ende des Jahres 2019 um 0,1 Prozent auf 291.200 gestiegen. Die Gesamt-Mitgliederzahl liegt trotz der Abmeldung von Tausenden Leiharbeitern in Bayern stabil bei 380.500 (-0,1 %).

zum Download:
20200128_Jahres-PK.pdf
Moratorium_fuer_einen_fairen_Wandel.pdf
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