28.11.2019
IG Metall und Betriebsrat bekräftigen ihre Aufforderung an die Osram-Aktionäre, ihre Aktien nicht an ams zu verkaufen

PM 42 / Das ams-Pokerspiel um Osram gefährdet das Unternehmen – mittlerweile beteiligen sich immer mehr Hedgefonds am Zocken

„Das Verhalten von ams, als ausländisches Unternehmen ein Schlupfloch im Wertpapierübernahmegesetz auszunutzen, um ein deutsches Traditionsunternehmen gegen den Willen der Beschäftigten und Ihrer Vertretungen einem permanenten Übernahmepoker auszusetzen, ist unanständig, dreist und unseriös. Mittlerweile sehen immer mehr Hedgefonds die Chance, durch Spekulationsgewinne infolge des Vorgehens von ams Extraprofite einzustreichen. Die Zeche dafür zahlen am Ende die Beschäftigten durch Verlust ihrer Arbeitsplätze infolge des enormen Kostendrucks, der mit der Finanzierung der Übernahme einhergeht. Wir als IG Metall unterstützen ausdrücklich die Aufforderung des Konzernbetriebsrates von Osram an die Osram-Aktionäre, ihre Aktien nicht an ams zu verkaufen,“ erklärt Klaus Abel, Unternehmensbeauftragter der IG Metall für Osram.

In seiner Stellungnahme (siehe Anlage) legt der Konzernbetriebsrat ausführlich und fundiert seine Argumente gegen die Übernahme dar:

- ams unterläuft den Schutzzweck des Wertpapierübernahmegesetzes, das Unternehmen wie Osram vor einer permanenten Übernahmeschlacht schützen soll. Das zeugt von einem unseriösen und rücksichtslosen Vorgehen von ams. Die jetzt bekannt gewordenen möglichen Insidergeschäfte der ams-Führung, die von der Wiener Staatsanwaltschaft untersucht werden, sind nicht geeignet, Vertrauen in die ams-Führung aufzubauen.

- ams verfolgt ein aggressives und kein nachhaltiges Finanzierungskonzept. So spekuliert ams auf weiterhin hohe Gewinne durch sein Apple-Geschäft, um die Übernahme zu finanzieren. Das ist keineswegs sicher, sondern die Abhängigkeit von Apple birgt ein hohes Klumpenrisiko. Apple ist gerade dabei, seine Zulieferketten neu zu sortieren.

- ams hat bisher kein Konzept zur Entwicklung der deutschen Standorte vorgelegt. Die Konzernzentrale in München wird ihre derzeitige Bedeutung verlieren. Der Konzern wird künftig nicht mehr aus München, sondern aus Premstätten in der Steiermark, Österreich, geführt.

- Das aggressive Vorgehen der ams-Führung, namentlich des CEO Alexander Everke, bei der Übernahme zeugt nicht von einer Integrations-, sondern von einer Beherrschungsabsicht zu Lasten von Osram und seinen Beschäftigten.

Daher fordern die Osram-Betriebsräte alle Osram-Aktionäre auf, verantwortungsbewusst für den Erhalt von Industriearbeitsplätzen in Deutschland zu handeln und ihre Aktien nicht an ams zu verkaufen.

Die IG Metall hat sich zugleich erneut an den Leadinvestor von ams, den singapurianischen Staatsfonds Temasek, gewandt und darauf hingewiesen, dass das Vorgehen von ams von Bundestag und Bundesregierung missbilligt wird, was dadurch deutlich wird, dass – ausgelöst durch das Vorgehen von ams – die Legislative und die Exekutive an einer Gesetzesnovellierung arbeiten, um die Lücke im Wertpapierübernahmegesetz zu schließen, die ams jetzt ausnutzt. Die IG Metall hat Temasek aufgefordert, auf ams einzuwirken, von ihrem Vorgehen abzulassen, dessen Methodik sich mit angemessenem Verhalten in Deutschland nicht vereinbaren lässt.

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