25.11.2019
IG Metall bewertet Zukunftsforum Automobil als durchwachsen – Qualifizierung kommt zu kurz

PM 40 / Horn: „Diese Vereinbarung kann erst der Anfang sein. Wir brauchen mehr und konkretere Maßnahmen, um den Beschäftigten Sicherheit im Wandel zu geben.“

Die IG Metall Bayern bewertet die bisherigen Ergebnisse des Zukunftsforums Automobil als durchwachsen. Bezirksleiter Johann Horn sagte am heutigen Montag bei der Unterzeichnung einer Vereinbarung des Zukunftsforums in München: „Diese Vereinbarung kann erst der Anfang sein. Wir brauchen mehr und konkretere Maßnahmen, um den Beschäftigten Sicherheit im Wandel zu geben.“

Vor allem das Thema Qualifizierung der Beschäftigten für neue Technologien und Tätigkeiten kommt der IG Metall bisher zu kurz. Horn: „Wir stellen uns eine Vereinbarung vor, dass die Betriebe gemeinsam mit den Betriebsräten langfristige Qualifizierungspläne für ihre Belegschaften erarbeiten. Das setzt voraus, frühzeitig die eigenen Produkte der Zukunft und die dafür erforderlichen Qualifikationen zu ermitteln. Damit geben wir den Beschäftigten Perspektive und Sicherheit. Deshalb ist das ein ganz entscheidendes Instrument.“

Die Unternehmen müssten ihren Beschäftigten diese Qualifikationen ermöglichen und ihnen die nötige Zeit dafür geben. Die Politik könnte das unterstützen durch ein Recht auf bezahlte Weiterbildung und ein Initiativrecht für Betriebsräte, um Weiterbildungen anzustoßen. „Damit hätten wir auch mehr Mitbestimmung und Beteiligung im Wandel. Die Beschäftigten könnten selbst aktiv werden und hätten nicht das Gefühl, den Veränderungen hilflos ausgeliefert zu sein“, so Horn.

Die IG Metall wirbt auch für die Einführung eines Transformations-Kurzarbeitergeldes. Damit könnten die Beschäftigten in Unternehmen, die durch den Wandel in Schieflage geraten, qualifiziert, finanziell abgesichert und gleichzeitig im Unternehmen gehalten werden.

In der Vereinbarung des Zukunftsforums wurden nun stattdessen größtenteils lediglich Förderungen zusammengefasst, die es bereits gibt, etwa im Zusammenhang mit dem Qualifizierungschancengesetz der Bundesregierung.

Zufrieden ist die IG Metall mit den sinnvollen Vereinbarungen zur Technologieförderung. Die Partner des Zukunftsforums sprechen sich gemeinsam für Technologieoffenheit bei der Antriebsentwicklung aus.

Horn kritisiert die mangelnde Kooperationsbereitschaft, die die Arbeitgeber bisher im beginnenden industriellen Wandel zeigen: „Der Eindruck verfestigt sich, dass viele Unternehmen den technologischen Wandel nutzen, um Produktion in großem Stil in Billiglohnländer zu verlagern. Damit der ökologische Wandel aber auch sozial gelingt, müssen alle Akteure eine gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen. Wir sollten uns zum Ziel setzen zu beweisen, dass Bayern und Deutschland den Wandel zu einer ökologischen und letztlich emissionsfreien Industrie schaffen können. Das geht aber nur, wenn die Unternehmen mitmachen. Und nicht, wenn sie weglaufen vor diesem Anspruch.“

Positiv bewertet die IG Metall, dass die Partner vereinbart haben, das Zukunftsforum fortzuführen und auch über Qualifizierungsmaßnahmen zu sprechen. Horn: „Ob das Zukunftsforum Automobil nur Symbolpolitik ist, oder ob daraus noch echte Lösungen für die Beschäftigten erwachsen, muss sich erst noch zeigen.“

Hintergrund: Das „Zukunftsforum Automobil“ knüpft an den „Pakt zur Zukunft der Fahrzeugindustrie in Bayern“ aus dem Sommer 2018 an, der auf eine Initiative der IG Metall Bayern zurückgeht. Teilnehmer im Zukunftsforum Automobil sind die Staatsregierung, die IG Metall Bayern, der Arbeitgeberverband vbm sowie die Betriebsräte und Unternehmensspitzen von großen bayerischen Autoherstellern und Zulieferern.

zum Download:
20191125_Gemeinsame_Erklaerung_zum_Zukunftsforum_Automobil_01.pdf
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