27.09.2019
Osram: IG Metall fordert Advent und Bain auf, zeitnah ihr angekündigtes Angebot zu konkretisieren

PM 31 / Kapitalmarktpoker um Osram gefährdet Arbeitsplätze – Zukunftssicherung des gesamten Osram-Konzerns in den Mittelpunkt stellen

Die IG Metall erwartet von den US-Finanzinvestoren Advent und Bain, dass sie ihr angekündigtes Übernahmeangebot für Osram schnell konkretisieren. "Wir werden Advent und Bain daran messen, dass sie entsprechend ihrer Ankündigung bei den Absicherungen für die Beschäftigten nicht hinter das Angebot von Bain und Carlyle zurückfallen", sagte Johann Horn, Bezirksleiter der IG Metall Bayern, heute in München. Und weiter: "Der Poker um Osram am Kapitalmarkt schadet dem Unternehmen und muss beendet werden. Die Zukunftssicherung der Arbeitsplätze im gesamten Osram-Konzern muss wieder in den Mittelpunkt der Arbeit des Osram-Managements rücken."

Irene Schulz, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, fordert: "Der dauernde Bieterkampf am Kapitalmarkt führt dazu, dass nur noch die Aktionärsinteressen im Vordergrund stehen. Die Innovationskraft der engagierten 26.000 Beschäftigten darf nicht durch das Geschacher am Kapitalmarkt aufs Spiel gesetzt werden."

Auf Osram-Betriebsversammlungen in München und Berlin hat die IG Metall am Donnerstag vor Ablauf der Annahmefrist am 1. Oktober noch einmal ihre Ablehnung des Übernahmeangebots des österreichischen Unternehmens ams deutlich gemacht. Die IG Metall begrüßt in diesem Zusammenhang die Bekanntmachung, dass sowohl der Vorstands- als auch der Aufsichtsratsvorsitzende von Osram ihre Aktien ams nicht andienen werden.

Zum Hintergrund:

Die IG Metall positioniert sich weiter gegen eine Übernahme des Traditionsunternehmens Osram durch das kleinere österreichische Unternehmen ams, weil im Fall einer Übernahme durch ams die Zukunft des Unternehmens und der Arbeitsplätze gefährdet ist. ams hat angekündigt, mit Entlassungen 120 Millionen Euro Personalkosten jährlich einzusparen. Wesentliche Teile des Münchner Stammsitzes sollen aufgelöst werden. Zudem will ams die Digitalsparte von Osram verkaufen und Osram damit de facto zerschlagen.

Osram ist die Nummer Eins bei Auto- und Sensorlicht. Osram ist auf dem Weg, weitere Innovationen zu entwickeln. Transformation gelingt nur mit Sicherheit. Doch ams ist nicht bereit, belastbare Beschäftigungssicherungen zu geben, sondern kündigt bereits Personalabbau und Verkäufe an. Den Vorschlag der IG Metall, einen "Merger of Equals" zu prüfen, hat ams zurückgewiesen. Hierdurch hätten die Milliarden zur Übernahme stattdessen in die Weiterentwicklung des Geschäfts investiert werden können.

Aufgrund der hohen Verschuldung, die ams dem gemeinsamen Unternehmen und damit auch Osram aufbürden würde, sowie der fehlenden Integrationserfahrung von ams wäre die Fortexistenz des gesamten Unternehmens gefährdet. Die Übernahme will ams durch Kredite finanzieren und würde somit eine Bruttoverschuldung von 6,4 Milliarden Euro ins Unternehmen einbringen.

Ein zusätzliches Risiko im Fall einer ams-Übernahme ist die Tatsache, dass Osram ein industriestrategischer Akteur in den Bereichen Hochtechnologie und sicherheitsrelevante Produkte ist. ams plant, die über 17.000 Patente von Osram nach Singapur zu verlagern und das Unternehmen von Österreich aus zu steuern. Eine Investitionsprüfung durch das Bundeswirtschaftsministerium ist daher wahrscheinlich und bedeutet ein beträchtliches Transaktionsrisiko für alle Beteiligten. Eine Rückabwicklung, wie sie durch das Bundeswirtschaftsministerium angeordnet werden kann, wäre für Osram insgesamt, besonders aber für Arbeitsplätze und Investitionen, eine große Belastung.

In diesem Zusammenhang hat die IG Metall alle Bieter aufgefordert, bereits im Vorfeld alle Informationen über Verlagerungsabsichten, die Finanzierung ihrer Angebote, auch von allen Hintermännern, und Zukunftspläne gegenüber dem Bundeswirtschaftsministerium offenzulegen und sich vorab um eine Unbedenklichkeitsbescheinigung zu bemühen, damit das Unternehmen gar nicht erst diesem Risiko ausgesetzt wird. Eine solche Unbedenklichkeitsbescheinigung liegt bisher nicht vor.

» drucken


+++ Wir sind umgezogen! +++

Seit 1. Juli 2019 erreichen Sie uns hier:

IG Metall Bezirksleitung Bayern
Werinherstraße 79, Gebäude 32a
81541 München

 

 

Mehr Wert mit Tarif