26.09.2019
Tarifbindung ist sein Handwerk

Drei von vier Handwerkskammern in Bayern haben heuer Metaller zu ihren Vizepräsidenten gewählt. Der Oberfranke und Maschinenbautechniker Harald Sattler ist frisch gewählt – und hat ein großes Ziel.

Handwerkskammer-Vizepräsident Harald Sattler

Die Handwerkskammern sind eine Besonderheit: In ihr sind nicht nur die Betriebsinhaber, sondern auch alle Arbeitnehmer mit abgeschlossener Berufsausbildung Mitglied. Das heißt: Auch die Arbeitnehmer bestimmen mit, wenn es etwa um Richtlinien zur Berufsbildung, Weiterbildern oder Gewerkbeförderung geht.

In vier von sieben bayerischen Bezirken haben die Kammern 2019 neu gewählt. In drei – Niederbayern/Oberpfalz (Christian Läpple), Schwaben (Paul Brugger) und Oberfranken (Harald Sattler) – stellt ein Metaller für die Arbeitnehmerseite den Vizepräsidenten. Mittelfranken (Andreas Hofmann) und Unterfranken bestimmen ihre Führung die nächsten zwei Jahre neu.

Der frisch gewählte Vizepräsident Harald Sattler erklärt, was ihm bei der Arbeit in der Handwerkskammer für die Beschäftigten am Wichtigsten ist:

Was haben IG Metall-Mitglieder von einem Metaller als Vizepräsidenten in der Handwerkskammer?

Harald Sattler: Ich bin natürlich für alle Gewerke Vizepräsident und damit sozusagen eine Informationsschnittstelle: Was funktioniert auf Arbeitgeberseite, was nicht? Sie erkennen oft selbst, wie schwierig ist, im Handwerk vernünftige Leute zu bekommen. Mein Betrieb etwa hat drei Auszubildende gesucht. Drei Bewerber gab es. Und nur zwei waren geeignet. Ich sehe da Tarifbindung als entscheidenden Schlüssel.

Also reicht die Imagekampagne des Handwerks nicht aus?

Sattler: Eine Werbekampagne ist schön. Wenn aber ein Jugendlicher nach den Leistungen fragt und dann von ihm 42 Stunden Arbeit und wenig Urlaub verlangt werden, bringt das nichts. Da sind das Studium und später die Industrie eine zu große Konkurrenz. Es gibt bei den Unternehmen schon die Erkenntnis, dass sie den Beschäftigten etwas bieten müssen. Und das Beste ist ein Tarifvertrag. Dafür werbe ich.

Inwieweit können Gewerkschaften in den Handwerkskammern die Tarifbindung vorantreiben?

Sattler: Als Kammern selbst schließen wir keine Verträge ab, das ist Aufgabe der Innungen und Gewerkschaften. Aber wir können das immer wieder ansprechen bei den Arbeitgebern: Macht euch Gedanken, woran eure Probleme liegen könnten. Aber Tarifbindung ist auch unsere eigene Aufgabe als Gewerkschaften und Beschäftigte: Um einen Haustarifvertrag durchzusetzen, brauchen wir viele Mitglieder und Strukturen wie einen Betriebsrat im Betrieb.

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