16.09.2019
IG Metall fordert OSRAM-Aktionäre auf, nicht an ams zu verkaufen

PM 30 / Hohe Verschuldung, fehlende Integrationserfahrung und angekündigter Personalabbau bedrohen das Traditionsunternehmen und Arbeitsplätze bei einer Übernahme durch ams

Foto: CC/Henrik Ström

Die IG Metall stellt sich weiter vehement gegen eine Übernahme des Traditionsunternehmens Osram durch das kleinere österreichische Unternehmen ams. Im Fall einer Übernahme durch ams sieht die Gewerkschaft die Zukunft des Unternehmens und der Arbeitsplätze gefährdet. Johann Horn, Bezirksleiter der IG Metall Bayern, sagte am heutigen Montag in München: „Die Osram-Beschäftigten haben in den vergangenen Jahren viel durchmachen müssen. Immer wieder sind sie mit harten Einschnitten und Sorgen um ihre Arbeitsplätze konfrontiert worden. Die Beschäftigten sehnen sich nach Sicherheit. Ein Investor, der schon im Vorfeld einen großen Personalabbau ankündigt, schürt hingegen Ängste.“

ams hat angekündigt, mit Entlassungen 120 Millionen Euro Personalkosten jährlich einzusparen. Wesentliche Teile des Münchner Stammsitzes sollen aufgelöst werden. Zudem will ams die Digitalsparte von Osram verkaufen und Osram damit de facto zerschlagen.

„Osram hat großes Potenzial und steht für Zukunft. Deshalb brauchen wir jetzt Zeit und Übergänge statt finanzmarktgetriebene Bieterkämpfe“, sagte Irene Schulz, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall am heutigen Montag in München. Sie kritisiert weiter: „Das Geschacher am Finanzmarkt droht tariflich gut bezahlte Industriearbeitsplätze zu vernichten. Osram ist die Nummer Eins bei Auto- und Sensorlicht. Osram ist auf dem Weg, weitere Innovationen zu entwickeln. Transformation gelingt nur mit Sicherheit. Doch ams ist nicht bereit, belastbare Beschäftigungssicherungen zu geben, sondern kündigt bereits Personalabbau und Verkäufe an. Unseren Vorschlag, einen ‚Merger of Equals‘ zu prüfen, hat ams zurückgewiesen. Hierdurch hätten die Milliarden zur Übernahme stattdessen in die Weiterentwicklung des Geschäfts investiert werden können. Wir lehnen eine Übernahme von Osram durch ams ab und empfehlen den Aktionären, ihre Aktien nicht ams anzudienen.“

Dazu hat die IG Metall Kontakt zur Allianz als Lead-Investor von Osram aufgenommen und darum gebeten, ams keine Aktien anzudienen, um die Zukunft von Osram nicht zu gefährden. Zudem wirbt die IG Metall bei Siemens-Aktionären, bei denen sich viele Osram-Aktien in Streubesitz befinden, für das gleiche Vorgehen.

IG Metall und Betriebsrat bekräftigen ihre starken Zweifel an einer erfolgreichen Übernahme durch ams aufgrund der hohen Verschuldung, die ams dem gemeinsamen Unternehmen und damit auch Osram aufbürden würde, sowie der fehlenden Integrationserfahrung von ams. Die Übernahme will ams durch Kredite finanzieren und würde somit eine Bruttoverschuldung von 6,4 Milliarden Euro ins Unternehmen einbringen, was den Fortbestand beider Unternehmen bedroht.

Ein zusätzliches Risiko im Fall einer ams-Übernahme ist die Tatsache, dass Osram ein industriestrategischer Akteur in den Bereichen Hochtechnologie und sicherheitsrelevante Produkte ist. ams plant, die über 17.000 Patente von Osram nach Singapur zu verlagern und das Unternehmen von Österreich aus zu steuern. Eine Investitionsprüfung durch das Bundeswirtschaftsministerium ist daher wahrscheinlich und bedeutet ein beträchtliches Transaktionsrisiko für alle Beteiligten. Eine Rückabwicklung, wie sie durch das Bundeswirtschaftsministerium angeordnet werden kann, wäre für Osram insgesamt, besonders aber für Arbeitsplätze und Investitionen, eine große Belastung.

In diesem Zusammenhang fordert die IG Metall alle Bieter auf, bereits im Vorfeld alle Informationen über Verlagerungsabsichten, die Finanzierung ihrer Angebote, auch von allen Hintermännern, und Zukunftspläne gegenüber dem Bundeswirtschaftsministerium offenzulegen und sich vorab um eine Unbedenklichkeitsbescheinigung zu bemühen, damit das Unternehmen gar nicht erst diesem Risiko ausgesetzt wird.

„Osram hat weltweit 24.000 motivierte Kolleginnen und Kollegen, davon ein Viertel in Deutschland“ erläutert Irene Weininger, Vorsitzende des Osram-Konzernbetriebsrates, ergänzend. „Jetzt will ams, das nur ein Drittel der Größe von Osram hat, unser Traditionsunternehmen übernehmen, um sich einzelne Unternehmensbereiche einzuverleiben und die übrigen Bereiche in eine mehr als unsichere Zukunft zu führen. Uns empört, dass ams ohne eine wirklich detaillierte Kenntnis der Strukturen und Komplexität von Osram zu haben, bereits einen Stellenabbau ankündigt. Dieses Vorgehen schafft kein Vertrauen, sondern führt zu Verunsicherung und Misstrauen bei unseren Beschäftigten. Schlüsselpersonen verlassen bereits das Unternehmen.“

Thomas Wetzel, Vorsitzender des Osram-Gesamtbetriebsrates, kritisiert, dass ams nicht bereit war, betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen. „Die angekündigten jährlichen Synergien laufen auf Entlassungen hinaus. Eine Standortsicherung verliert unter diesen Vorzeichen an Wert. Vertrauensbildung als neuer Investor geht anders! Wir lehnen eine Übernahme von Osram durch ams ab.“

Wetzel kündigt baldige Betriebsversammlungen an allen Standorten an, um die Beschäftigten zu informieren und auf die aktuelle Situation einzuschwören. IG Metall und Betriebsrat unterstreichen, dass der von ams geplante Personalabbau nicht so einfach vonstattengehen würde.

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