05.06.2019
Wandel der Industrie: Arbeitgeber in Bayern haben keine Strategie und kümmern sich kaum um Qualifizierung

PM 19 / Ergebnisse des Transformationsatlas – Horn: "Die bayerischen Arbeitgeber nehmen die ökologische Notwendigkeit und die sozialen Folgen des Wandels anscheinend nicht ernst."

Viele bayerische Unternehmen haben keine Strategie für den digitalen und ökologischen Wandel und kümmern sich viel zu wenig um die Qualifizierung ihrer Beschäftigten. Das sind die zentralen Ergebnisse des Transformationsatlas der IG Metall, einer umfangreichen Befragung und Analyse von Betriebsräten im Organisationsbereich der IG Metall. 

Demnach haben 41 Prozent der bayerischen Betriebe keine oder kaum eine Strategie zur Bewältigung des Wandels. In 94 Prozent der Betriebe sehen die Betriebsräte einen steigenden Qualifizierungsbedarf, doch nur 14 Prozent der Betriebe ermitteln systematisch den Qualifizierungsbedarf. "Das ist ein Armutszeugnis. Die bayerischen Arbeitgeber nehmen die ökologische Notwendigkeit und die sozialen Folgen des Wandels anscheinend nicht ernst. Ich fordere die Arbeitgeber auf, endlich Verantwortung zu übernehmen. Sie müssen deutlich mehr leisten, um Umwelt und Klima zu schützen und den Beschäftigten Sicherheit in diesem Wandel geben. Stattdessen rufen sie nur nach Steuersenkungen und Lohnzurückhaltung - das ist rückwärtsgewandt und destruktiv", sagt Johann Horn, Bezirksleiter der IG Metall Bayern. 

Neue Produkte, Qualifizierungspläne, Transformations-Kurzarbeitergeld

Die IG Metall erwartet von den Unternehmen mehr Investitionen in neue Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle. Darüber hinaus müssen alle Betriebe verbindliche Qualifizierungspläne für ihre Beschäftigten aufstellen, und zwar unter Einbeziehung der Betriebsräte. "Die Arbeitgeber verharren beim Thema Qualifizierung in alten Denkmustern und schauen nicht über ihren Tellerrand hinaus. Deshalb brauchen wir ein Initiativrecht für Betriebsräte, um Qualifizierungen auf den Weg zu bringen. So kann die Politik helfen, den Wandel zu meistern", so Horn. Weitere Anforderungen der IG Metall an die Politik sind die Einführung eines Transformations-Kurzarbeitergeldes, das zugleich die Qualifizierung und Weiterbeschäftigung von Mitarbeitern in vom Wandel betroffenen Unternehmen sichert sowie Entgeltverluste der Beschäftigten minimiert. 

Verlust von Arbeitsplätzen in Auto- und Zulieferindustrie

Besonders in der Automobil- und Zulieferindustrie erwarten die Betriebsräte einen Verlust von Arbeitsplätzen. In 58 Prozent der Betriebe rechnen sie mit einem Rückgang von Arbeitsplätzen, nur in 9 Prozent der Betriebe mit einem Anstieg. "Das Transformations-Kurzarbeitergeld würde helfen, Entlassungen zu vermeiden", sagt Horn. 

Mehr Mitbestimmung gegen Ohnmacht

Die Beschäftigten sind stark verunsichert, welche Veränderungen durch den Wandel auf sie zukommen. In 73 Prozent der Betriebe fühlen sich die Belegschaften nicht ausreichend über kommende Veränderungen informiert. Horn sagt dazu: "Die Menschen sorgen sich um ihre Zukunft. Die Beschäftigten dürfen sich dem Wandel nicht ohnmächtig ausgesetzt fühlen, das würde auch gesamtgesellschaftlich schwerwiegende Folgen haben. Um dem entgegenzuwirken, müssen die Beschäftigten den Wandel mitgestalten können. Das bedeutet konkret: Sie brauchen mehr Mitbestimmungsrechte." 

Am Transformationsatlas der IG Metall haben sich in Bayern die Betriebsräte von über 330 Betrieben mit 475.000 Beschäftigten beteiligt. Neben der Metall- und Elektroindustrie sind auch die weiteren Branchen im Organisationsbereich der IG Metall erfasst, wie die Holz- und Kunststoffindustrie, die Textil- und Bekleidungsindustrie sowie Handwerksbranchen. Bundesweit erfasst der Transformationsatlas knapp 2.000 Betriebe mit rund 1,7 Millionen Beschäftigten.

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gedruckt am 22.08.2019 / IG Metall Bayern online