29.01.2019
IG Metall Bayern will mehr Mitsprache und soziale Sicherung für Beschäftigte im industriellen Wandel

PM 2 / 90.000 Beschäftigte wählen Zeit statt Geld – Mitgliederzahl steigt auf über 380.000

Die IG Metall Bayern ruft Unternehmen und Politik auf, den anstehenden industriellen Wandel durch mehr Mitsprache und soziale Sicherung der Beschäftigten zu flankieren. "Viele Menschen sorgen sich um ihre Arbeitsplätze und ihre Zukunft. Gleichzeitig fühlen sie sich von der Politik ignoriert. Wir müssen gemeinsam Lösungen für die Arbeitsplätze der Beschäftigten finden und sie stärker absichern. Dabei sollen die Beschäftigten und Betriebsräte mehr mitbestimmen können – über die Produkte an den Standorten, Investitionen und Innovationen", sagte Bezirksleiter Johann Horn heute bei der Jahrespressekonferenz der IG Metall Bayern in München.

Beschäftigte über Veränderungen mitentscheiden lassen

Die vierte industrielle Revolution werde die Arbeitswelt umwälzen. "Dieser industrielle Wandel kann die Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen verbessern. Ein Schlüssel dafür wird sein, die Beschäftigten über die Veränderungen mitentscheiden zu lassen", so Horn. Verheerende Folgen kann der Wandel für die Beschäftigten haben, wenn es allein nach den Vorstellungen der Arbeitgeber gehe.

Der Wandel durch die Digitalisierung und die Mobilitätswende sollen nach den Vorstellungen der IG Metall sozial, ökologisch und demokratisch gestaltet werden. "Die Beschäftigten sollen an den Entscheidungsprozessen in ihren Betrieben teilhaben, sie sollen an der Gestaltung ihrer Arbeits- und Lebensverhältnisse beteiligt werden", sagte Horn weiter. "Es geht insgesamt darum, das Arbeiten in den Unternehmen zu demokratisieren. Das ist auch ein gesellschaftspolitischer Ansatz, um der Ohnmacht und Verdrossenheit der Menschen entgegenzuwirken und die Demokratie zu beleben."

Neben mehr betrieblicher Mitbestimmung spricht sich Horn auch für eine Ausweitung der Unternehmensmitbestimmung aus. Momentan sind die Beschäftigten erst in Unternehmen ab 500 Mitarbeitern im Aufsichtsrat vertreten, und erst ab 2000 Mitarbeitern mit ebenso vielen Sitzen wie die Arbeitgeber. Horn: "Auch in kleinen und mittleren Unternehmen sollten die Beschäftigten über wichtige strategische Entscheidungen paritätisch mitentscheiden."

 

Mehr soziale Sicherheit als Gegenpol zu Unsicherheiten

 

Die IG Metall erwartet durch die Digitalisierung große Produktivitätsfortschritte, die nicht allein als Profite in die Taschen der Unternehmen wandern dürfen. Horn: "Sehr viele Arbeitsplätze drohen verloren zu gehen, prekäre Beschäftigung und Niedriglöhne könnten nochmal stark zunehmen. Wir brauchen mehr soziale Sicherheit als Gegenpol zu diesen Unsicherheiten und zur eingeforderten Flexibilität." Dazu zählt die IG Metall eine stärkere Tarifbindung, neue Instrumente wie ein Transformations-Kurzarbeitergeld und einen längeren Bezug von Arbeitslosengeld I.

Auf die aktuelle bayerische Politik schaut die IG Metall diesbezüglich kritisch. Horn: "Die Staatsregierung will ein Bündnis für Freiheit mit der Wirtschaft eingehen. Das ist absurd. Niemand in diesem Land ist freier als die Wirtschaft. Ohne Beteiligung der Arbeitnehmer wird ein solches Bündnis zu einem Großkonflikt führen. Das ist das Gegenteil von Konsens, Kompromiss und Demokratie."

Positive Mitgliederentwicklung

Gestärkt wird die IG Metall in Bayern durch eine positive Mitgliederentwicklung. Ende 2018 lag die Mitgliederzahl bei 380.948 (+ 3.196, + 0,8 %), das ist der neunte Anstieg in Folge. Gestiegen sind insbesondere die Mitgliederzahlen bei den Frauen auf 76.098 (+ 845, + 1,1 %) und bei den Angestellten auf 66.687 (+ 2.003, + 3,1 %).

Horn: "Die IG Metall wächst. Das hat sicher auch mit unseren starken Tarifabschlüssen zu tun, bei denen wir gute Lohnerhöhungen und mehr Selbstbestimmung für die Beschäftigten durchgesetzt haben."

Wahloption Zeit statt Geld bei Beschäftigten beliebt

Eine aktuelle Umfrage der IG Metall bei Betriebsräten hat ergeben, dass in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie rund 90.000 Beschäftigte einen Antrag gestellt haben, in diesem Jahr acht zusätzliche freie Tage statt eines neuen tariflichen Zusatzgeldes zu bekommen. 75 Prozent der Antragsteller sind Schichtarbeiter, 20 Prozent betreuen kleine Kinder, 5 Prozent pflegen zu Hause Angehörige. 93 Prozent der Anträge in den von uns befragten Betrieben haben die Arbeitgeber genehmigt.

Horn sagt dazu: "Die große Nachfrage zeigt, dass besonders für stark belastete Schichtarbeiter zusätzliche Zeit und Erholung viel wert sind. Und es zeigt, dass auch Bandarbeiter mehr Einfluss auf ihre Arbeitszeitgestaltung nehmen wollen."

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