03.01.2019
Zehntausende wählen Zeit statt Geld

Die 2019 erstmals mögliche Wahloption "Zeit statt Geld" in der Metall- und Elektroindustrie ist ein Renner. Mit einem Griff in die Mottenkiste wollen sie die Arbeitsbedingungen wieder verschlechtern statt an ihrer Personalbemessung zu arbeiten.

Jeder vierte Tarifbeschäftigte will 2019 laut einer Umfrage des Verbands der bayerischen Metall- und Elektroindustrie von der Wahloption Gebrauch machen: Fast 25 Prozent der Kolleginnen und Kollegen entschieden sich demnach für acht freie Tage statt das tarifliche Zusatzgeld von 27,5 Prozent eines Monatsverdienstes.

Postwendend bespielen die Arbeitgeber ihre alte Leier der Flexibilisierung: Beschäftigte müssten wegen der Wahloption mehr arbeiten. Oder es müssten mehr Leiharbeiter beschäftigt werden.

Darüber kann Johann Horn, Bezirksleiter der IG Metall Bayern, nur den Kopf schütteln: "Die Unternehmen beklagen einen Fachkräftemangel. Mit der Wahloption Zeit statt Geld haben wir die Arbeitgeber dazu gebracht, ihre Arbeitsplätze attraktiver zu machen. Die Antragszahlen zeigen: Die Beschäftigten wollen und brauchen mehr Selbstbestimmung."

Zu attraktiven Arbeitsplätzen gehöre eine geregeltes Normalarbeitsverhältnis sowie aber auch eine gesunde Personalbemessung in den Unternehmen. "Jede Grippewelle stellt die Personalabteilungen vor größere Herausforderungen als die Wahloption Zeit statt Geld", sagt Horn.

Wer jetzt nach mehr Leiharbeit rufe, wolle eine Zwei-Klassen-Beschäftigung befeuern. Außer Acht lassen die Arbeitgeber, dass es zum Ausgleich der Arbeit noch andere Möglichkeiten im Sinne der Beschäftigten gebe. "Es gibt genügend Teilzeit- oder befristet Beschäftigte, die mehr oder länger arbeiten wollen", mahnt Bezirksleiter Horn. Es liege an den Arbeitgebern, jetzt auch mal ihre Flexibilität unter Beweis zu stellen statt sie nur einseitig von den Beschäftigten einzufordern.

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