20.11.2018
Hunderte Beschäftigte demonstrieren für Tarifbindung bei Staedtler und in Bleistiftindustrie

PM 62 / Beschäftigten drohen geringere Löhne und schlechtere Arbeitsbedingungen – IG Metall-Bezirksleiter Johann Horn: "Staedtler droht, seinen guten Ruf zu verspielen. Der Ausstieg aus dem Tarifvertrag ist der soziale Sündenfall."

Mehr als 300 Beschäftigte von Staedtler und anderen Unternehmen der Tarifgemeinschaft protestierten

IG Metall-Bezirksleiter Johann Horn: "Wenn Staedtler sich nicht vertragen will, sind wir auch zu Streit bereit."

Horn mahnte, dass Staedtler den Frieden in den Betrieben gefährde (Fotos: IG Metall Bayern)

Über 300 Beschäftigte von Staedtler und weiteren Firmen der fränkischen Bleistiftindustrie haben heute in Nürnberg öffentlich gegen die Tarifflucht von Staedtler protestiert. Unter dem Motto "Staedtler darf nicht stiften gehen" forderten sie das Unternehmen auf, Mitglied der Tarifgemeinschaft der Bleistiftindustrie zu bleiben.

Johann Horn, Bezirksleiter der IG Metall Bayern, sagte bei der Kundgebung in der Straße der Menschenrechte zu den Demonstrierenden: "Im Grundgesetz heißt es: Eigentum verpflichtet. Wer aus der Tarifbindung flieht, drückt sich um diese Verantwortung. Staedtler droht, seinen guten Ruf zu verspielen. Der Ausstieg aus dem Tarifvertrag ist der soziale Sündenfall."

Den Beschäftigten drohen nun geringere Löhne und schlechtere Arbeitsbedingungen. Zu den tariflichen Standards der Bleistiftindustrie gehören unter anderen 75 Prozent Urlaubsgeld, 85 Prozent Weihnachtsgeld, 36-Stunden-Woche, Zuschläge für Mehrarbeit und Feiertagsarbeit, regelmäßige kollektive Entgeltsteigerungen.

Durch den Austritt Staedtlers droht die gesamte Tarifgemeinschaft auseinanderzubrechen, da sie nur aus drei weiteren Unternehmen besteht, die alle wichtige Standorte in Franken haben. Deshalb fürchten auch die Beschäftigten von Faber-Castell, Schwan-Stabilo und Lyra um ihre Löhne und Arbeitsbedingungen. Es droht ein Unterbietungswettbewerb in der Branche auf dem Rücken der insgesamt rund 4.700 Beschäftigten.

"Die negativen Auswirkungen wären für den gesamten Wirtschaftsstandort Franken spürbar", sagte Horn. Er kündigte weitere Maßnahmen an, sollte das Unternehmen nicht in die Tarifgemeinschaft zurückkehren: "Im Wort Tarifvertrag steckt das Wort vertragen. Der Betriebsfrieden hängt davon ab. Wenn Staedtler sich nicht vertragen will, sind wir auch zu Streit bereit."

Hintergrund: Die Stiftehersteller Staedtler, Faber-Castell, Schwan-Stabilo und Lyra haben zusammen rund 4.700 Beschäftigte. Staedtler hat drei Standorte in Nürnberg, Sugenheim und Neumarkt in der Oberpfalz mit zusammen rund 1.300 Beschäftigten Faber Castell hat zwei Standorte in Stein und Geroldsgrün mit rund 1.100 Beschäftigten. Schwan Stabilo hat zwei Standorte in Heroldsberg und Weißenburg mit ca. 2.200 Beschäftigten Lyra hat einen Standort in Nürnberg mit knapp 100 Beschäftigten.

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gedruckt am 12.12.2018 / IG Metall Bayern online