17.08.2018
Union Busting: Das böse Spiel bei Playmobil

Schlechte Stimmung, schlechte Arbeitsbedingungen: Der Spielfiguren-Hersteller Playmobil setzt weniger auf Wertschätzung und Rechte als vielmehr auf die Spaltung der Belegschaft – mit Union Busting. Jetzt attackiert Playmobil gezielt die Betriebsräte der IG Metall.

Für die Firma Geobra Brandstätter, dem Hersteller der weltweit drei Milliarden Playmobil-Figuren ist der Fall klar: So ein Betriebsrat und die Gewerkschaft und erst recht die Arbeitnehmerrechte, das alles ist ganz schön lästig. Mit einem Klima der Angst macht sie die Beschäftigten gefügig – und macht mit ihren Methoden selbst vor dem Betriebsrat nicht Halt: Playmobil will die IG Metall als stärkste Kraft im frischgewählten Betriebsrat rauswerfen!

Bayerns IG Metall-Bezirksleiter Jürgen Wechsler ist empört: „Es ist beschämend, wenn ein Spielwarenhersteller die Beschäftigten und Betriebsräte selbst nur als Spielzeug betrachtet und die gesetzlich garantierte Mitbestimmung angreift!“

Juristische Attacken zur Ablenkung 

Leistungsverdichtung, Wertschätzung und die Arbeitsbedingungen sind eigentlich die Themen, worum sich die IG Metall-Betriebsräte beim Playmobil-Produzenten kümmern wollen. Doch mit unzähligen Nickeligkeiten und Nebenkriegsschauplätzen hält das Unternehmen das Gremium von seiner Arbeit für die Beschäftigten ab.

„Wir erleben hier ein klassisches Union-Busting, die Jagd auf Gewerkschafter, nach Drehbuch: Wer sich für Kollegen einsetzt, wird raffiniert mit disziplinarischen Maßnahmen bombardiert“, erklärt IG Metall-Betriebsbetreuerin Bianka Möller. Bereits 2014 hatte das Unternehmen die Betriebsratswahl derart behindert, dass diese nach einer Klage der IG Metall über drei Instanzen hinweg 2016 wiederholt werden musste. Doch seinen Frieden hat Playmobil mit der IG Metall und auch bei der Wahl 2018 nicht gemacht – und versucht, das Gremium zu spalten: mit persönlichen Angriffen, Abmahnwellen und täglichem Ärger.

Kein Interesse an Recht und Zusammenarbeit

Selbst die anderswo üblichen regelmäßigen Termine von Geschäftsleitung und Betriebsrat verweigert das Unternehmen. Begründung: Manche Mitglieder hätten nicht das Unternehmenswohl im Blick. Was für Betriebsräte Grundaufgabe ist, ist für Geobra Brandstätter Grundübel: Betriebsratsmitglieder sprächen mit Beschäftigten und hielten sie so von der Arbeit ab. Oder sie lehnten Mehrarbeit ab, während gleichzeitig die Arbeitszeitkonten bei Playmobil volllaufen. Manche Beschäftigte verbuchen sogar mehrere hundert Plusstunden.

Wie genau es Playmobil mit verbrieften Arbeitnehmerrechten nimmt, zeigte sich etwa im März 2018 im Büro eines Bereichsleiters. Der hatte Berichten zufolge einen Kollegen zum Personalgespräch vorgeladen, um ihm wegen eines – bereits genehmigten – angeblich falsch ausgefüllten Urlaubszettels mit der Kündigung zu bedrohen. Als der Beschäftigte einen Betriebsratskollegen mitnahm, wozu er laut Gesetz das Recht hat, soll der Bereichsleiter diesen versucht haben, sogar mit körperlicher Gewalt aus dem Büro zu drängen.

Schikanen und Einschüchterung gegen Betriebsräte

Solche Einschüchterungsversuche verfehlen ihre Wirkung nicht, wobei sich die IG Metall-Betriebsräte im Gremium davon kaum beeindrucken lassen wollen. Die Strafe erfolgt auf mehreren Ebenen: von Schlechterstellungen, wonach ausgerechnet die IG Metall-Mitglieder im Betriebsrat keine Durchgangskarten für die vielen Tore zu ihrem Betriebsratsbüro erhalten und jedesmal klingeln müssen, Versetzungen, Zwangsfreistellungen bis hin zu persönlichen Attacken.

So etwa, als die Betriebstemperatur im Sommer auf über 35 Grad stieg. Auf die Information der IG Metall-Betriebsräte über die Rechtslage – nämlich dass Beschäftigte das Recht auf Entwärmungsphasen haben - folgte ein Aushang der Unternehmensleitung, worin sie einen Kollegen namentlich angriff. Betriebsratsmitglied U. verstehe die Komplexität des Rechts offensichtlich nicht. Pikant: Kurz darauf ließ sich sogar der Rest des Betriebsrats vom Unternehmen einspannen, sich von den IG Metall-Betriebsräten zu distanzieren. Es obliege allein dem Arbeitgeber zu entscheiden, was er gegen Hitze unternehme.

Schwerstes Geschütz: Antrag auf Rauswurf der IG Metall

 Jetzt fährt Playmobil das formal schärfste Geschütz auf: Das Unternehmen behauptet, mit den Hitze-Informationen sei eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den IG Metall-Betriebsräten nicht mehr möglich. Es klagt nun vor dem Arbeitsgericht Nürnberg auf einen Ausschluss der IG Metall aus dem Gremium. Im Sinne des Union Busting ist es für das Unternehmen nicht wichtig, ob es damit durchkommt oder − wie Experten es einschätzen − nicht

Bevor die IG Metall bei Brandstätter aktiv wurde, hatte die Geschäftsführung in der Tat ein bequemeres Leben: Der Zufall etwa wollte es, dass heute so etwa eine ehemalige Betriebsratsvorsitzende als Managerin im Beirat der geobra Brandstätter Stiftung & Co. KG sitzt.

Auch Abmahnungen treffen IG Metall-Betriebsräte überdurchschnittlich. Die Anlässe dafür dagegen reichen von absurd bis nickelig: Weil Playmobil ihre Betriebsratsbesprechungen als Pausen betrachtet – tatsächlich gelten diese rechtlich als Arbeitszeit - oder weil Nebentätigkeiten von BR-Mitgliedern angeblich nicht angemeldet gewesen seien.

Playmobil erreicht das Gegenteil

Dahinter allerdings steckt nach Überzeugung der IG Metall System: "Ob abmahnen oder anschwärzen: Es geht dem Unternehmen dabei gar nicht darum, was auf dem Papier steht. Sondern nur um Einschüchterung, Kräfte zu binden und den Betriebsrat so von seiner eigentlichen Aufgabe abzuhalten", erklärt IG Metall-Sekretärin Bianka Möller.

Die IG Metall aber spornt das Verhalten der Unternehmensführung von Geobra Brandstätter dagegen an: mit Solidarität und Rechtsschutz für ihre Mitglieder – damit es im Betrieb endlich wieder um die Sache und bessere Arbeitsbedingungen gehen kann. IG Metall-Bezirksleiter Jürgen Wechsler: "Demokratie und Rechtsstaatlichkeit müssen auch bei Playmobil gelten."

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