12.07.2018
Zukunft der Autoindustrie: Das brauchen jetzt Betriebsräte und Beschäftigte

Auf der Autokonferenz "zukunftmobil" der IG Metall Bayern haben Betriebsräte und Fachleute diskutiert: Was bedeuten Klimaschutz, Elektromobilität und Digitalisierung für unsere Jobs? Herausgekommen ist eine Liste von dringenden Aktionen in Betrieben und Politik.

Klare Anforderung der Betriebsräte an die Unternehmen: gute Arbeit!

Betriebsräte von Autokonzernen und Zulieferern stellten auf der Autokonferenz ihre Aktionen für eine sichere Zukunft vor

Die 150 Betriebsräte beim Beschluss der Resolution (Fotos: IG Metall/nena.pictures)

Wer in oder für die Autoindustrie arbeitet, dem stehen spannende Zeiten bevor: "Die Branche steht vor der größten Transformation, seit es das Auto gibt", sagt IG Metall-Bayern-Bezirksleiter Jürgen Wechsler. Vor allem Beschäftigte in Helfer- und Fachkraftberufen betrifft der schon begonnene Wandel. Damit zu Spannung rund um Elektrifizierung und Digitalisierung nicht obendrein noch mehr Aufregung um Arbeitsplätze kommt, haben sich in Bamberg über 150 Fachleute, Verantwortliche und Betriebsräte aus bayerischen Unternehmen und Politiker getroffen.

Klima und Beschäftigte schützen

Zwei große Herausforderungen gilt es nun mit gewerkschaftlichem Druck zu begleiten und aktiv zu gestalten, sagte Bayerns IG Metall-Chef Jürgen Wechsler: Der Schutz von Umwelt und Klima sowie der Schutz der Beschäftigten. Dazu stünden die Hersteller gerade in der Diesel-Glaubwürdigkeitskrise in der Pflicht und müssten "mehr in saubere Technologien investieren". Experten zufolge bestehe noch Potenzial, Verbrennungsmotoren zu optimieren. Zweites Teil-Ziel: Mehr Elektroautos, Brennstoffzellen, Hybridmotoren und die schnelle Entwicklung alternativer Antriebsstränge.

Wechsler zeigte sich überzeugt, dass sich Ökologie und Ökonomie befördern können: "Wir brauchen bessere Technologien für einen besseren Umweltschutz. Für bessere Technologien brauchen wir bessere Arbeitsbedingungen." Besondere Aufmerksamkeit müsste jedoch vor allem auf klein- und mittelständische Zulieferer gelegt werden, die die wesentlichen Bauteile und Komponenten für die Autokonzerne entwickeln, erproben und unternehmerische Verantwortung tragen.  

Unternehmen und Politik stehen in der Pflicht

Das erforderte nicht nur in den Unternehmen klare Strategien, sondern darüber hinaus eine eine aktive Industriepolitik. "Wir erwarten, dass die Politik hier endlich Verantwortung für die 400.000 Beschäftigten in der Autoindustrie in Bayern übernimmt", sagte Wechsler. Neue Techniken dürften nicht nur aus Asien kommen, sondern müssten in Bayern "gedacht und gebaut" werden. Zudem müsse die Politik mit Blick auf eine nötige Weiterbildungsoffensive mit verbindlichen Rechten für Beschäftigte "nachsitzen und endlich nachliefern". Der zwischen Unternehmen, Betriebsräten, IG Metall und Staatsregierung geschlossene bayerische Autopakt müsse daher mehr sein als Symbolpolitik vor der Landtagswahl am 14. Oktober.

Betriebsräte starten Gestaltungsoffensive

Auf der Konferenz verabschiedeten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Resolution (Download des Wortlauts unten) als Wegweiser für den anstehenden Wandel: Herzstück ist eine Gestaltungsoffensive, bei der Gewerkschaft sowie Betriebsräte, Unternehmensleitungen sowie Arbeitgeberverband und Politik gleichberechtigt an einem Tisch sitzen. Die Ziele und Anforderungen:

  • Ein bayerischer Betriebsatlas soll zeigen, welche Unternehmen und Beschäftigte wie sehr vom Wandel betroffen sein werden. Dazu muss jeder Betrieb geprüft werden, wie er sich in der Zukunft aufstellen will und kann.
  • Neue arbeitsmarktpolitische Instrumente sollen auch dann Beschäftigte schützen, wenn sich mit fortschreitender Technik die Rahmenbedingungen ändern
  • Unternehmen müssen Vereinbarungen über breite Qualifizierungsmaßnahmen treffen sowie Hochschul- und Ausbildung auf die neuen Herausforderungen ausgerichtet werden.
  • Innovationen müssen insbesondere bei kleinen und mittleren Betrieben im Zulieferbereich gefördert werden
  • Know-how-Ansiedelung neuer Technologien wie zur Speicherung von Energie (Batterie- und Zellfertigung) und Schutz vor Technologie-Abfluss 
  • Schutz der Beschäftigtenrechte durch Ausbau von Tarifbindung und Mitbestimmung

Die Resolution wurde einstimmig angenommen: ein klarer Auftrag der Betriebsräte an Unternehmen, Politik – und an sich selbst.

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