04.07.2018
Winke, winke, Sicherheit?

Chinesische Investoren: Für den Export ist China eine große Chance. Aber bezahlen Beschäftigte danach den Aufkauf bayerischer Unternehmen mit dem Ausverkauf ihrer Jobs?

Eine Winkekatze in chinesisch-bayerischem Gewand. In China gilt sie als Glückssymbol. (Montage: IG Metall Bayern)

Oft ausgestattet mit staatlichen Scheckheften sind Unternehmer aus China schon länger auf Einkaufstour im Freistaat. Strategisch besonders interessant: Autoindustrie, Technologien, Maschinenbau. Besonders besorgt sind dagegen nicht selten: Betriebsräte und Beschäftigte. Sind aber chinesische Investoren anders als andere?

Beispiel Autozulieferer Grammer, ­­­­­Amberg: Der Hersteller von Sitzen und Mittelkonsolen erlebt schon länger einen wahren Wirtschaftskrimi: Zunächst stieg dort die schlagzeilenträchtige bosnische Investoren-Familie Hastor ein - und brachte Unruhe ins Unternehmen. Die Familie verunsicherte Grammer-Kunden, als sie mit ihrer Firma Prevent bei einem Streit mit VW dort die Bänder zu stehen brachte. Damit der Autozulieferer Grammer in dem Konflikt durch eine Übernahme der Bosnier nicht zerrieben wird, holte sich Grammer den chinesischen Investor Jifeng als "weißen Ritter".

Jetzt will der chinesische Retter selbst zu einem der größten Autozulieferer weltweit werden und Grammer übernehmen. Das Versprechen: Die Standorte mit ihren weltweit 15.000 Beschäftigten (davon 2.000 in Amberg) sind für die nächsten 7,5 Jahre sicher, Technologie werde nicht abgezogen. Die IG Metall zeigt sich bei Grammer erleichtert. Sie erwartet aber von allen Investoren - unabhängig von der Herkunft -, dass gemachte Zusagen eingehalten werden. Bezirksleiter Jürgen Wechsler: "Die IG Metall wird wachsam sein!"

Beispiel Lampenhersteller Ledvance, Augsburg: 2017 ist Ledvance (ehemals Teil von Osram) von chinesischen Investoren übernommen worden. 2018 zeigen die neuen Eigentümer kaum Interesse mehr an den Werken und den Beschäftigten. Die Hoffnung war einst groß: Mit den chinesischen Investoren könnten die Ledvance-Lampen weltweit besser verkauft und gleichzeitig die deutschen Werke mit Blick auf LED-Technik modernisiert werden. Stattdessen wollen sie jetzt das Licht ausschalten. In Augsburg kämpfte die IG Metall erfolgreich um einen Sozialtarifvertrag.


Beispiel Roboterhersteller Kuka, Augsburg: Groß ist die Verunsicherung, als 2016 der chinesische Kühlschrank-Hersteller Midea bei Kuka einsteigt: Mit 4,5 Milliarden Euro ist es damals die größte Übernahme eines chinesischen Konzerns in Deutschland. Die Arbeitsverträge der Beschäftigten gelten jedoch weiter, ein Betriebsübergang findet trotz des neuen Eigentümers nicht statt. "Wir wollen ein vorbildhaftes Beispiel für die deutsch-chinesische Zusammenarbeit sein", erklärt Investor Andy Gu und will mit Kuka den chinesischen Markt bedienen. Hiobs-Botschaften bleiben bis heute aus. Augsburgs IG Metall-Chef Michael Leppek: "Heute erleben wir die chinesischen Investoren nicht anders als damals: Natürlich wollen sie, dass etwas für sie rausspringt. Sie haben aber verstanden, wie wichtig für uns Mitbestimmung, Standort, Beschäftigung und Know-how sind."

IG Metall-China-Experte Wolfgang Müller warnt vor einer pauschalen Verurteilung. "Wir haben es hier auch mit Kapitalisten zu tun, aber mit einer anderen Form als beim neoliberalen angelsächsischen Kapitalismus." Chinesische Investoren würden grundsätzlich strategisch und langfristiger denken. Und: "In China spielt es eine große Rolle, sein Gesicht zu wahren. Aber der Fall Ledvance hat das Ansehen chinesischer Investoren und damit Chinas beschädigt. Das war ein Thema in den chinesischen Medien."

Für die IG Metall Bayern ist klar: Sie misst sämtliche Investoren an dem, was sie insbesondere mit Blick auf Tarifbindung und Mitbestimmung (nicht) machen, unabhängig von der Herkunft. Bezirksleiter Jürgen Wechsler rät jedoch zur Vorsicht. Er verlangt von der Politik einen besseren Schutz der Beschäftigten durch stärkere gesetzliche Regeln: "Bei wichtigen Industrien muss die Bundesregierung Investoren Auflagen machen und ihr Veto einlegen können."

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