16.11.2017
Erste Tarifverhandlung in Bayern: Arbeitgeber verweigern sich den Forderungen der IG Metall

PM 27 / 16. November 2017: Wechsler: „Wir wollen Beschäftigte teilhaben lassen, Arbeitgeber verkennen Lebensrealität der Menschen“ – 2600 Metaller demonstrieren für ihre Forderungen

In der ersten Tarifverhandlung für die bayerische Metall- und Elektroindustrie heute in Schweinfurt haben sich die Arbeitgeber den Forderungen der IG Metall komplett verweigert. Jürgen Wechsler, Verhandlungsführer und Bezirksleiter der IG Metall Bayern, sagt: „Wir wollen die Beschäftigten an der sehr guten wirtschaftlichen Lage teilhaben lassen und ihnen den Anspruch auf ein Stück selbstbestimmte Flexibilität bei der Arbeitszeit geben. Beides lehnen die Arbeitgeber ab. Stattdessen wollen sie die bereits vorhandene Flexibilität der Unternehmen einseitig weiter ausbauen. Damit verkennen sie die heutige Lebensrealität der Menschen. Die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben wird den Beschäftigten immer wichtiger.“

Unmittelbar vor der Verhandlung haben 2600 Metallerinnen und Metaller mit einer Demonstration und einer Kundgebung ihren Forderungen Nachdruck verliehen. In zwei Demozügen sind die Beschäftigten durch Schweinfurt zum Verhandlungsort gezogen. Bei der dortigen Kundgebung sagte Jürgen Wechsler zu den Menschen: „Ich will von den Arbeitgebern wissen, ob sie dafür oder dagegen sind, dass wir Zeit haben, uns um unsere Kinder und Pflegebedürftigen zu kümmern. Sind sie dagegen, wird das eine gesellschaftliche Auseinandersetzung.“

Die IG Metall fordert in der Tarifrunde 6 Prozent mehr Geld und Ausbildungsvergütung für 12 Monate. Zudem fordert die IG Metall einen Anspruch für alle Beschäftigten, ihre Arbeitszeit für bis zu zwei Jahre auf bis zu 28 Stunden pro Woche zu reduzieren. Das soll mit einem Rückkehrrecht zur 35-Stunden-Woche verbunden sein. Für Beschäftigte mit zu pflegenden Angehörigen oder Kindern unter 14 Jahren soll es bei einer Arbeitszeitverkürzung einen Entgeltzuschuss von 200 Euro pro Monat geben. Für Beschäftigte in Schichtarbeit und anderen belastenden Arbeitszeitmodellen fordert die IG Metall einen Zuschuss von 750 Euro pro Jahr.

Zur Entgeltforderung sagt Jürgen Wechsler: „Die gesamtwirtschaftliche Lage ist sehr gut, die Prognosen zur wirtschaftlichen Entwicklung werden reihenweise nach oben korrigiert. Mit unserer Forderung wollen wir die Beschäftigten angemessen am wirtschaftlichen Aufschwung beteiligen. Die Forderung ist fair und vernünftig. Damit stärken wir auch den privaten Konsum als wesentlichen Träger des Wirtschaftswachstums.“

Zur Arbeitszeitforderung sagt Wechsler: „Moderne Arbeitszeitregelungen müssen die Bedürfnisse der Beschäftigten berücksichtigen. Kinder zu erziehen, Angehörige zu pflegen, ehrenamtliche Mitarbeit im Verein passt nicht zusammen mit Wochenendarbeit und ständigen Überstunden. Viele Schichtarbeiter leiden unter den steigenden Belastungen und sehnen sich nach zusätzlichen Erholungszeiten. Die Arbeitgeber sollen die Flexibilität, die sie selbst einfordern und bereits bekommen, auch ihren Beschäftigten einräumen.“

Arbeitszeit-Forderung ist auch eine Initiative zur Fachkräftegewinnung

Wechsler ist überzeugt, dass auch die Betriebe von mehr Selbstbestimmung der Beschäftigten bei der Arbeitszeit profitieren: „Eine bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben sowie ausgeruhte und gesündere Beschäftigte sind auch eine Initiative zur Fachkräftegewinnung. Deshalb ist auch gerechtfertigt, dass die Arbeitgeber einen Zuschuss zahlen, wenn es um Vereinbarkeit und besonders belastete Beschäftigte geht. Außerdem ermöglichen wir so auch Beschäftigten in unteren Entgeltgruppen, ihre Arbeitszeit zeitweise zu reduzieren.“

Die zweite Tarifverhandlung findet am 6. Dezember in München statt. Wechsler: „Der vbm muss sich nun ernsthaft mit unseren Forderungen auseinandersetzen. Wir erwarten ein vernünftiges Angebot.“

In der bayerischen Metall- und Elektroindustrie arbeiten zurzeit rund 835.000 Beschäftigte. Davon sind 475.000 in tarifgebundenen Betrieben beschäftigt, die Mitglied des Arbeitgeberverbandes vbm sind.

» drucken


dabei sein!
Arbeitszeitkampagne