02.06.2017
Wechsler zur Linde-Fusion: „Das ist ein Bruch mit der deutschen Industriegeschichte“

PM 19 / 2. Juni 2017: Linde-Spitzen zeigen keine Gesprächsbereitschaft

Die IG Metall kritisiert, dass die Spitzen von Vorstand und Aufsichtsrat bei Linde bei der Fusion mit Praxair keine Gesprächsbereitschaft gezeigt und auch Vorschläge nach einer Mediation offenbar eiskalt vom Tisch gewischt haben. Jürgen Wechsler, Bezirksleiter der IG Metall Bayern, sagt: „Viele Türen sind geöffnet worden. Herr Belloni und Herr Reitzle sind an allen Türen vorbeigegangen. Es ist ein Bruch mit der deutschen Industriegeschichte, solch eine sehr knappe Entscheidung brachial durchzupeitschen, statt einen Konsens zu suchen.“

Noch am Dienstag hatte die IG BCE eine Mediation anstelle einer Kampfabstimmung vorgeschlagen. Bundeswirtschaftsministerin Zypries hatte das unterstützt. Nun ist es im Aufsichtsrat jedoch zur Abstimmung gekommen.

Wechsler sagt weiter: „Herr Reitzle hat die Regel gebrochen, dass solche strategische Entscheidungen nicht gegen den Willen der Beschäftigten getroffen werden können. Und zwar aus gutem Grund: Eine Fusion gegen den Willen der Beschäftigten kann nicht funktionieren.“ Ende April hatten bei einem europaweiten Aktionstag 2500 Linde-Beschäftigte an 30 Standorten gegen die Fusion protestiert, allein 1200 vor der Konzernzentrale in München.

Die IG Metall hat sich bereits vor Monaten aus mehreren Gründen klar gegen eine Fusion von Linde mit Praxair ausgesprochen. Durch den aktuell angekündigten Personalabbau und die angekündigten Synergiepotenziale sind bis zu 10.000 Arbeitsplätze bei Linde gefährdet. Durch die Verlagerung des Sitzes der neuen europäischen Holding nach Dublin und die Steuerung des neuen Unternehmens aus den USA würde die Mitbestimmung der Arbeitnehmer ausgehöhlt. Damit läge auch insgesamt die Entscheidungshoheit über die Zukunft von Linde nicht mehr in Deutschland. Zudem ist zu erwarten, dass kartellrechtliche Auflagen die Linde AG zu milliardenschweren Verkäufen weltweit und insbesondere in den USA zwingen werden.

Wechsler: „Es ist schon ernsthaft fraglich, ob dieser Deal für die Linde-Aktionäre gegenüber der Eigenständigkeit überhaupt attraktiver ist. Es wird jetzt darum gehen, die negativen Folgen dieser Entscheidung einzudämmen. Wir werden gemeinsam mit der Belegschaft um den Erhalt der Linde-Kultur kämpfen und uns nicht von der zu erwartenden Rotstiftmentalität aus den USA einschüchtern lassen.“

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