27.04.2017
Linde-Beschäftigte setzen klares Zeichen gegen Fusion

PM 13 / 27. April 2017: 2.500 protestieren beim Aktionstag an über 30 Standorten – Gewerkschaften wollen Konsenskultur bei Linde erhalten

2.500 Linde-Beschäftigte an über 30 Standorten haben am heutigen Donnerstag beim europaweiten Aktionstag gegen die geplante Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair protestiert. Die IG Metall und die IG BCE befürchten durch die Fusion den Verlust von Tausenden Arbeitsplätzen, eine Einschränkung der Mitbestimmung und eine Schwächung von Linde.

Unter dem Motto „Wir wollen Lindianer bleiben“ demonstrierten bei der größten Aktion 1.200 Beschäftigte vor der Linde-Zentrale in München. Vertreter von IG Metall und IG BCE machten deutlich, dass sie die Konsenskultur bei Linde erhalten wollen und wandten sich direkt an die Kapitalvertreter im Aufsichtsrat.

Jürgen Wechsler, Bezirksleiter der IG Metall Bayern, sagte in seiner Rede in München: „Das Erfolgsmodell der deutschen Industrie ist eine Kompromisskultur, bei der die Beschäftigten in wichtige unternehmerische Entscheidungen einbezogen werden. Das ist ein wichtiger Grund für die Stärke der deutschen Wirtschaft.“

Wechsler richtete das Wort direkt an die Kapitalvertreter im Aufsichtsrat: „Wir brauchen Sie jetzt als Kontrolleure. Denn bei Linde ist etwas außer Kontrolle geraten. Sorgen Sie dafür, dass Linde das stolze Unternehmen bleibt, das es ist.“

Hintergrund ist die Ankündigung des Linde-Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Reitzle, die Fusion im Aufsichtsrat auch mit seiner Doppelstimme durchpeitschen zu wollen. Wechsler erneuerte seine Kritik an diesem Vorgehen: „Wenn Herr Reitzle die Fusion mit seiner doppelten Stimme im Aufsichtsrat durchpeitschen will, ist das ein Vorgang, der seinesgleichen sucht. Es kann keine Fusion gegen den Willen der Beschäftigten geben. Sie sind Aufsichtsratsvorsitzender bei Linde, nicht bei Praxair.“

Ein traditionsreicher und hochprofitabler Dax-Konzern wie Linde „eignet sich nicht für Monopoly-Spielchen seines Aufsichtsratsvorsitzenden“, warnte Xaver Schmidt, Leiter der Abteilung Vorsitzender der IG BCE und Linde-Aufsichtsratsmitglied. „Eine Fusion mit Praxair dient weder den Interessen der Belegschaften, noch des Kapitalmarkts – das bestätigen inzwischen auch viele Banker und Analysten.“

Schmidt kritisierte, dass der fusionierte Konzern eine Holding in Irland erhalten und operativ vom Praxair-Sitz in den USA aus gesteuert werden soll. Gleichzeitig sei durch Synergieeffekte der Abbau Tausender Arbeitsplätze zu erwarten. „Uns droht der Verlust von Jobs - und das völlig ohne Not“, sagte das Linde-Aufsichtsratsmitglied. Der Dax-Konzern sei mit einer operativen Gewinnmarge von mehr als 24 Prozent und seiner weltweiten Marktpräsenz auch allein hervorragend aufgestellt, so Schmidt: „Praxair braucht Linde, aber Linde braucht Praxair nicht.“

Bei der gemeinsamen Aktion der Gewerkschaften in München zeigten die Beschäftigten den Fusionsplänen deshalb auch demonstrativ die rote Karte. „Einen Kahlschlag bei Linde werden wir nicht einfach so hinnehmen“, rief die Münchener IG-BCE-Bezirksleiterin Astrid Meier den Demonstranten zu.


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