13.02.2017
Im Zweifel mehr Profit

Anfang Februar kündigte Knorr Bremse ein Maßnahmenbündel an, das unter anderem "die Angleichung der Arbeitsverhältnisse bei Tochtergesellschaften an die im Konzern gültigen Regelungen" enthält. Für viele Beschäftigte heißt das im Klartext: 7 Stunden pro Woche mehr arbeiten für das selbe Geld.

Als "Steinzeit-Kapitalismus vom Feinsten" bezeichnete der Berliner IG Metall-Bevollmächtigte Klaus Abel vergangene Woche die Pläne der Knorr Bremse und kündigte an: "Das gibt richtig Ärger." In Berlin sollen nicht "nur" etliche Beschäftigte ihre Arbeitszeit ohne Lohnausgleich von 35 auf 42 Stunden erhöhen, obendrein will das Unternehmen rund 180 Arbeitsplätze in der Produktion nach Tschechien verlagern.

"Ausgleichung der Arbeitsverhältnisse" – natürlich nach unten

In Bayern ist die Tochter Knorr Bremse PowerTech von dem Schritt betroffen, den das Unternehmen in seiner Pressemitteilung vornehm als "Wechsel aus dem tarifgebundenen in den tariffreien Arbeitgeberverband" bezeichnet, mit dem es eine "Ausgleichung der Arbeitsverhältnisse innerhalb des Knorr-Bremse Konzerns erreichen" wolle. Faktisch heißt das auch hier, dass die Arbeitszeit ohne Ausgleich auf 42 Stunden steigen soll. Die Geschäftsführung will dazu die Betroffenen einzeln zu einer entsprechenden Änderung der Arbeitsverträge bewegen.

Ein Unternehmenssprecher erklärte gegenüber der dpa knapp, Knorr Bremse habe seit 2006 keine Tarifbindung mehr. Von daher sei die 42-Stunden-Woche üblich, weshalb man nun die Tochterfirmen integriere.

Sebastian Roloff, Unternehmensbeauftragte der IG Metall, kommentierte diese Absicht: "Die Knorr Bremse zeichnet sich selten durch einen sozialen Umgang mit ihren Beschäftigten aus, im Zweifel geht etwas mehr Profit immer vor." Kuriose Randnote: Eine Woche nach Ankündigung seiner einseitigen Arbeitszeiterhöhung wurde Knorr Bremse durch eine Düsseldorfer Unternehmensberatung als "Top-Arbeitgeber" ausgezeichnet; offenbar hat man dort eigenartige Kritierien für, so die Eigenwerbung, "höchste Standards im Personalmanagement".

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gedruckt am 28.06.2017 / IG Metall Bayern online