16.01.2017
IG Metall startet große Beschäftigtenbefragung zum Thema Arbeitszeit

(Pressedienst 1 / 16. Januar 2017) Wechsler: „Gesellschaft ist auf dem Weg zu einer neuen Arbeitszeitkultur. Die Arbeitgeber müssen flexibler werden, um den Bedürfnissen der Beschäftigten gerecht zu werden.“

Die IG Metall startet heute eine große Beschäftigtenbefragung mit dem Schwerpunktthema Arbeitszeit. Allein in Bayern sollen über 100.000 Beschäftigte teilnehmen. Jürgen Wechsler, Bezirksleiter der IG Metall Bayern, sagte dazu in München: „Die Menschen haben ganz unterschiedliche Bedürfnisse und Anforderungen an die Gestaltung ihrer Arbeit und ihrer Arbeitszeiten. Der Umbruch zur digitalisierten Arbeitswelt wird diese Bedürfnisse weiter ausdifferenzieren und individualisieren. Und die Beschäftigten sind selbstbewusst genug, diese Ansprüche anzumelden. Ein gesellschaftlicher Umbruch hat begonnen. Wir sind auf dem Weg zu einer neuen Arbeitszeitkultur.“

Manche Beschäftigte wollen ein paar Jahre kürzer arbeiten, weil sie kleine Kinder haben. Andere weil sie einen Angehörigen pflegen müssen. Manche wollen an zwei Tagen kürzer arbeiten, weil sie zum Sport oder zu einem Verein wollen, dafür an zwei anderen Tagen länger. Schichtarbeiter wollen eine Entlastung für ihre dauerhaften Belastungen. „Die Beschäftigten wollen Arbeit und Privatleben in Einklang bringen und haben dabei oft ganz konkrete Vorstellungen – aber jeder andere“, so Wechsler weiter.

Dafür ist ein Umdenken bei den Unternehmen nötig. Wechsler: „Die Arbeitgeber müssen flexibler werden, um den Bedürfnissen der Beschäftigten gerecht zu werden. Sie werden einen Kulturwandel vollziehen müssen. Die Unternehmer werden nicht mehr alleine bestimmen können, was Flexibilität im Betrieb bedeutet. Die Beschäftigten wollen über ihre flexible Arbeitszeitgestaltung selbst mitbestimmen.“

Die IG Metall erwartet, dass Arbeitszeit eines der zentralen Themen im Bundestagswahljahr 2017 wird. „Wir brauchen politische Rahmenbedingungen, die den Beschäftigten eine flexible Arbeitszeitgestaltung nach ihren Bedürfnissen ermöglicht. Dazu gehören ein Rechtsanspruch zur Rückkehr von Teilzeit auf Vollzeit und eine Stärkung der Mitbestimmung. Konkret brauchen wir ein Initiativrecht des Betriebsrats und der Beschäftigten für die Gestaltung von Arbeitszeiten“, sagte Wechsler.

Gleichzeitig fordert die IG Metall, dass die Höchstgrenzen im Arbeitszeitgesetz erhalten bleiben, um Beschäftigte vor Gesundheitsschäden und Ausbeutung zu schützen: Acht Stunden pro Tag, 48 Stunden pro Woche, elf Stunden Ruhezeit zwischen zwei Schichten. Wechsler dazu: „Ausnahmeregelungen im Arbeitszeitgesetz erlauben bereits flexible Abweichungen, die auch den Bedürfnissen der Beschäftigten gerecht werden. In der digitalisierten Arbeitswelt ist ein gesetzlicher Schutz der Beschäftigten wichtiger denn je.“

Die Beschäftigtenbefragung läuft bis Ende Februar. Mit Ergebnissen ist ab April zu rechnen. Die Befragung soll helfen, die Bedürfnisse der Beschäftigten noch besser zu erfassen und daran die arbeitszeitpolitischen Ziele der IG Metall zu orientieren. Wechsler: „Wir gehen mit dem Thema Arbeitszeit jetzt voll in die Offensive – Richtung Politik und Bundestagswahl genauso wie Richtung Tarifrunde 2018 in der Metall- und Elektroindustrie.“

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