05.09.2016
Mängel in der Ausbildung

Der Arbeitsmarkt ist stabil, die Unternehmen suchen händeringend nach Fachkräften - eigentlich sehr gute Bedingungen auch für Auszubildende. Dennoch konstatiert der DGB in seinem aktuellen Ausbildungsreport, dass es in der Ausbildungspraxis noch einiges zu verbessern gibt.

Als billige Arbeitskräfte missbraucht?

In seinem soeben erschienenen Ausbildungsreport bescheinigt der DGB den deutschen Betrieben für das vergangene Jahr etliche gravierende Mängel. So schieben beispielsweise über 38 Prozent der Auszubildenden regelmäßig Überstunden ohne den dafür an sich vorgeschriebenen keinen Ausgleich, gut 31 Prozent werden nicht regelmäßig von den zuständigen Ausbildern betreut, und: "Selbst im dritten Ausbildungsjahr wissen immer noch mehr als 44 Prozent nicht, ob sie nach der Ausbildung übernommen werden." Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller zog bei der Präsentation des Reports vergangene Woche in Berlin ein entsprechend kritisches Fazit: "Die Qualitätsmängel in der betrieblichen Ausbildung sind offensichtlich: viele Azubis werden als billige Arbeitskräfte missbraucht."

Unterschiede nach Branchen ...

Wie zu vermuten gibt es zum Teil deutliche Unterschied je nach der Branche, in der die Berufseinsteiger ausgebildet werden. Im durchschnitt sind immerhin über 71 Prozent mit ihrer Ausbildung zufrieden, wobei beispielsweise Industriekaufleute sowie im Organisationsbereich der IG Metall Mechatroniker und Zerspanungsmechaniker wenig zu bemängeln haben. Der negative Schwerpunkt liegt wie schon in den Vorjahren vor allem im Hotel- und Gaststättengewerbe, außerdem in Einzelhandel und Lebensmittelhandwerk.

... Schulabschluss, ...

Stark verbesserungswürdig ist die tiefe Spaltung des Ausbildungsmarktes nach Schulabschluss. Trotz des guten Angebots an Ausbildungsplätzen kamen 2015 über 256.000 Jugendliche nicht unter und finden sich nun in den oft kritisiertne Warteschleifen. Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack nimmt dazu kein Blatt vor den Mund: "Viele Hauptschüler bekommen gar keine Chance mehr, weil die meisten Ausbildungsplätze von vornherein für Realschüler oder Abiturienten ausgeschrieben werden. Viele Arbeitgeber müssen endlich weg von ihrer Besten-Auslese."

... und Herkunft

Ein problematischer Aspekt ist - Stichwort Integration - ist auch die Benachteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die über ein Viertel der Befragten ausmachen. Sie findet man vor allem den tendenziell schlechter bewerteten Berufen, 40 Prozent sind es beispielsweise im Friseurhandwerk; zum Vergleich: unter angehenden Bankkaufleuten oder Mechatronikern haben nur gut 14 Prozent einen Migrationshintergrund. Passend dazu berichten mehr als 22 Prozent, sie seien schon einmal wegen ihrer Herkunft oder Staatsangehörigkeit in der Ausbildung benachteiligt worden, so Haggenmiller: "Das ist ein absolut unakzeptabler Zustand. Diskriminierung und Ausgrenzung haben auch in den Betrieben nichts zu suchen."


» Download des vollständigen Ausbildungsreports 2015 beim DGB

» Forderungen der IG Metall-Jugend zur Reform des Berufsbildungsgesetzes

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