07.08.2016
Arbeitszeitgesetz muss wegen Digitalisierung nicht geändert werden

(Pressedienst 43/2016: IG Metall verwundert über die Arbeitszeit-Träume der bayerischen Staatsregierung) Mit großer Verwunderung reagierte Jürgen Wechsler, Bezirksleiter der IG Metall Bayern auf die Forderungen der bayerischen Staatsregierung, wegen der Digitalisierung die tägliche Höchstarbeitszeit abzuschaffen.

Gegen über der Deutschen Presse-Agentur äußerte Wirtschaftsstaatsekretär Franz Josef Pschierer (CSU), dass starre Pausenregelungen und minutengenaue Anwesenheitspflichten unzeitgemäß sind.

Jürgen Wechsler betonte zwar, dass flexible Arbeitszeitmodelle für viele Menschen wichtig seien - warnte aber zugleich vor einer Aufhebung von Arbeitszeit-Begrenzungen. Diese seien aufgrund des Gesundheits- und Arbeitsschutzes geboten. "Mein Ratschlag ist, nicht so zu tun, als ob sich in der digitalen Welt alles geändert hat. Die Prinzipien der analogen Welt rate ich in der digitalen nicht aufzugeben", sagte Wechsler.

Im Übrigen zeugen die Forderungen von Pschierer von Wissenslücken: „Bereits heute kann die tägliche Arbeitszeit auf bis zu zehn Stunden verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten im Durchschnitt acht Stunden werktäglich (d.h. inklusive Samstag) nicht überschritten werde“, erläuterte Wechsler. Damit laufen die Forderungen von Herrn Pschierer auf eine Ausdehnung der täglichen Arbeitszeit auf unendlich hinaus. „Dies ist auch einer digitalen Arbeitswelt nicht zu verantworten“, stellte Wechsler klar.

„Dass die CSU sich gegen eine minutengenaue Erfassung der Arbeitszeit sträubt, kennen wir schon aus der Debatte um die Erfassung der Arbeitszeit beim Mindestlohn. Das ist nichts Neues von der CSU“, stellte Wechsler fest. Dass allerdings jede Handwerksleistung den Kunden minutengenau in Rechnung gestellt wird, ignoriert die CSU-Welt. Wechsler forderte: "Jährlich werden in Deutschland über eine Milliarde geleistete Arbeitsstunden nicht vergütet. Diese rechtmäßige Bezahlung ist ein Gebot der Stunde, gerade auch in einer Arbeitswelt, in der es zukünftig mehr mobiles Arbeiten oder Home-Office geben wird."

Die bayerische Staatsregierung macht sich mit ihren Forderungen zum Steigbügelhalter der Unternehmens- und Arbeitgeberverbände, die seit über einem Jahr die Ausweitung der täglichen Höchstarbeitsgrenzen gebetsmühlenartig vortragen, schlussfolgerte Wechsler und forderte, "die Menschen brauchen mehr lebensphasenorientierte und selbstbestimmte Arbeitszeiten und nicht die Abschaffung von Höchstarbeitsgrenzen."

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