08.07.2016
Arbeitszeit-Debatte und „125 Jahre IG Metall“-Feier

(Pressedienst 39 / 2016 : 66. ordentliche Bezirkskonferenz der IG Metall Bayern) Unter dem Motto „Mein Leben, meine Zeit – Arbeit neu denken“ hat die IG Metall Bayern auf ihrer zweitägigen 66. Bezirkskonferenz in Unterschleißheim vor 350 Delegierten und Gästen ihre bundesweite Arbeitszeitkampagne gestartet.

Bezirksleiter Jürgen Wechsler skizzierte grundlegende Aspekte der Debatte um die Arbeitszeit vor dem Hintergrund massiver veränderter Rahmenbedingungen: „Wir brauchen ein neues Normalarbeitsverhältnis, dass den veränderten Anforderungen auch der Beschäftigten gerecht wird. Gerade mit Blick auf die zunehmende Entgrenzung der Arbeitszeiten darf Flexibilität keine Einbahnstraße für Arbeitgeber mehr sein. Angesichts jährlich über einer Milliarde nicht erfasster Arbeitsstunden in Deutschland muss jede geleistete Arbeitsstunde erfasst und vergütetet werden, insbesondere auch bei mobiler Arbeit.“ Wechsler erinnerte an die Beschäftigtenbefragung der IG Metall von 2013, bei der sich zwei Drittel der über 500.000 Beteiligten kürzere Arbeitszeiten wünschten.

Christiane Benner, Zweite Vorsitzende der IG Metall, wies darauf hin, dass es das Standard-Erwerbsleben der 70er Jahre kaum noch gebe. Die Ansprüche der Menschen an Arbeit und Leben hätten sich verändert. Sie forderte deshalb ein „neues Normalarbeitsverhältnis, das sich durch sichere Arbeit, geschützt durch Gesetz und Tarifverträge, sowie ein festes und ausreichendes Einkommen auszeichnet.“ Die Beschäftigten-Umfrage der IG Metall wie eine aktuelle IAB-Studie haben ergeben, dass ein Großteil der geleisteten Überstunden verfalle und nicht bezahlt werde. Die Digitalisierung dürfe nicht zum Abbau von Schutzrechten führen. „Wir wollen keine Flatrate auf die Arbeitszeit. Jede geleistete Arbeitszeit muss erfasst und vergütet werden“, sagte Benner. Im Hinblick auf mobiles Arbeiten lobte sie erste betriebliche Vereinbarungen von BMW, VW und Bosch, „die der Entgrenzung Einhalt gebieten und ein Recht auf Abschalten verankern.“ Flexibilität sei keine Einbahnstraße. Die Gewerkschafterin sprach sich für eine neue Balance zwischen den Bedürfnissen der Beschäftigten und den betrieblichen Erfordernissen aus.

Die Delegierten verabschiedeten ein Positionspapier, auf dessen Grundlage sich die IG Metall in den nächsten 18 Monaten intensiv mit dem Thema Arbeitszeit beschäftigen wird. Neben einer verstärkten Diskussion in den Betrieben soll dabei im Bundestagswahlkampf 2017 die Politik gefordert werden. Entsprechende Forderungen zu gesetzlichen Rahmenbedingungen, zum Beispiel für Teilzeit, Weiterbildung sowie Kindererziehungs- oder Pflegezeiten, werden ebenfalls entwickelt.

Ziel der Arbeitszeitkampagne ist es, bis nächstes Jahr im Sommer mobilisierungs- und durchsetzungsfähige und potentielle Tarifforderungen für die Tarifrunde ab 2018 zu formulieren.

Neben der Vorlage des Geschäftsberichts bildete die die Auszeichnung zwei verdienter Gewerkschaftler einen Höhepunkt der Konferenz: Antonie Schiefnetter, ehemalige Betriebsrätin bei Bosch Siemens Hausgeräte in Dillingen und ehrenamtliches Vorstandsmitglied der IG Metall, und Hans Wolff, ehemaliger Betriebsratsvorsitzender des großen Bosch-Standortes in Bamberg, wurden von Jürgen Wechsler und dem bayerischen DGB-Vorsitzenden Matthias Jena mit der „Hans-Böckler-Medaille“ ausgezeichnet.

Der Abend des heutigen Freitags steht im Zeichen eines Festaktes „125 Jahre IG Metall“ mit viele Gäste, darunter Vertreter des Arbeitgeberverbandes und der im Landtag vertretenen Parteien sowie internationalen Gewerkschaftsvertretern aus den osteuropäischen Partnerorganisationen.

Für das Festreferat konnte der Ressortleiter „Innenpolitik“ der Süddeutschen Zeitung, Herr Heribert Prantl gewonnen werden. Das Kulturprogramm gestaltet der Kabarettist Christian Springer, bekannt als „Fonsi“. Zum Ausklang gibt es Live-Musik mit der Gruppe „Kulturschock“.

» drucken


+++ Wir sind umgezogen! +++

Seit 1. Juli 2019 erreichen Sie uns hier:

IG Metall Bezirksleitung Bayern
Werinherstraße 79, Gebäude 32a
81541 München

 

 

Mehr Wert mit Tarif