24.06.2016
Neue Siemens-Zentrale: Bekenntnis mit Fragezeichen

In München eröffnete Siemens am Freitag feierlich seine neue Konzernzentrale. Neben Vorstand und Aufsichtsrat waren unter anderem Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter und natürlich viele Beschäftigte anwesend. Im neuen Postraum gehen derweil ganz besondere Grüße etlicher bayerischer Standorte ein.

Bekenntnis zu Bayern ...

Als Ort "des respektvollen Miteinanders, eines offenen hierarchiefreien Dialogs und geprägt durch ein hohes Maß an Selbstbestimmung und Eigenverantwortung" bezeichnete CEO Joe Kaeser die neue Zentrale in seiner Ansprache. Gerhard Cromme, Vorsitzender des Aufsichtsrats, nannte sie einen offenen Ort für alle Siemens-Mitarbeiter, der all jene anziehen solle, "die die Welt ein Stück besser machen wollen". Ilse Aigner lobte den Neubau als "Bekenntnis der Siemens AG zu Bayern und zum Wirtschaftsstandort München" durch den das "das Wirken von Siemens in Bayern sichtbar nach außen" getragen werde.

... mit kleinem Schönheitsfehler

Tatsächlich trifft der Neubau an der soeben umbenannten Werner-von-Siemens-Straße auf praktisch ungeteilte Zustimmung. Einen leichten Missklang erhält die Eröffnung dennoch durch die aktuellen Abbau- und Verlagerungspläne, die ausgerechnet Bayern besonders hart treffen. Die Beschäftigten und Betriebsräte nicht nur der momentan konkret betroffenen PD-Betriebe in Bad Neustadt, Nürnberg und Ruhstorf, sondern auch vieler anderen Standorte machen dies mit phantasievollen Grüßen zur Neueröffnung sichtbar: Tausende Beschäftigte senden über die Betriebsräte Postkarten mit Glückwünschen an den Vorstand, ergänzt um die zentrale Forderung "Siemens bleibt in Bayern".

"Siemens muss mit seinem gesamten Spektrum einschließlich der Produktion in Deutschland präsent bleiben, nicht nur mit Führung und Verwaltung", hatte Bayerns IG-Metall-Bezirksleiter Jürgen Wechsler die Position der Arbeitnehmerseite schon im Vorfeld der Neueröffnung entsprechend zusammengefasst. IG Metall und Gesamtbetriebsrat werfen Siemens vor, ihre Strategie für den Heimatstandort Deutschland bestehe vor allem aus einem Rückzug - vielleicht bietet die neue Zentrale ja ausreichend Raum und Licht für ein Umdenken in diese Richtung.


» Fotos von den Postkartenaktionen gibt es auf der Facebook-Seite des Siemens Dialogs!

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