20.06.2016
Arbeitskämpfe 2016: Hohe Beteiligung, weniger Ausfall

Laut Experten der Hans Böckler-Stiftung ist im ersten Halbjahr 2016 die Anzahl arbeitskampfbedingter Ausfalltage in deutschen Unternehmen deutlich gesunken - das Lamento des Arbeitgeberlagers über angeblich schwere volkswirtschaftliche Schäden also unbegründet. Die Zahl beteiligter Beschäftigter hingegen bleibt hoch, wozu die Metall- und Elektroindustrie einen ordentlichen Teil beiträgt.

Warnstreiks in der M+E-Tarifrunde 2016: Über 187.000 Beteiligte allein in Bayern.

Weniger Ausfalltage, ...

Wie die Stiftung vergangene Woche mitteilte, gab es nach Schätzung ihres Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) 2016 bisher rund 405.000 streikbedingte Ausfalltage. 2015 waren es im Gesamtjahr rund 2 Millionen, für 2016 rechnen die Experten mit "nur" etwa 500.000, also einem Viertel des Vorjahres. Größere Tarifauseinandersetzungen im zweiten Halbjahr stehen aus heutiger Sicht nicht bevor.

... aber unverändert hohe Beteiligung

Sorgen über nachlassende Bereitschaft der Beschäftigten, sich für ihre Ansprüche einzusetzen, muss man sich dennoch keineswegs machen. Allein im ersten Halbjahr 2016 beteiligten sich mit rund einer Million ebenso viele Beschäftigte an Arbeitskampfmaßnahmen, wie im gesamten Vorjahr. Diese Entwicklung scheint nur auf den ersten Blick widersprüchlich, erklären die WSI-Fachleute: "Der entscheidende Unterschied zu 2015 ist, dass es 2016 bisher keine großen, über Wochen andauernde Arbeitsniederlegungen gab. Daher ist die Zahl der Ausfalltage weitaus niedriger, obwohl sich ähnlich viele Menschen an Streiks beteiligt haben."

Das Gros der Arbeitskampfmaßnahmen im ersten Halbjahr 2016 ging neben der Tarifrunde im öffentlichen Dienst vor allem aufs Konto der Warnstreikaktionen in der Metall- und Elektroindustrie. Während im öffentlichen Dienst 150.000 bis 200.000 Beschäftigte an den verhandlungsbegleitenden Arbeitsniederlegungen teilnahmen, verbuchte die IG Metall im Rahmen ihrer Tarifrunde etwa 800.000 Beteiligte, davon allein in Bayern über 187.000. Wäre es nicht vor Pfingsten zum Durchbruch gekommen, wäre bekanntlich die nächste Eskalationsstufe mit den Tagesstreiks gefolgt - mit entsprechend erheblichen Auswirkungen auf das gesamte Arbeitskampfvolumen.

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