07.10.2015
IG Metall Bayern macht Druck gegen prekäre Beschäftigung

(Pressedienst 57/2015: Welttag für menschenwürdige Beschäftigung am 7. Oktober 2015) Zum Welttag für menschenwürdige Beschäftigung am siebten Oktober treibt die IG Metall in ganz Bayern ihre Kampagne gegen prekäre Beschäftigung weiter voran. Einen Schwerpunkt bildet dabei der zunehmende Missbrauch von Werkverträgen, aber auch andere Formen atypischer Beschäftigung werden weiter bekämpft.

Warnstreik in der Münchner BMW-Welt (Foto: IG Metall München).

Jürgen Wechsler, Bezirksleiter der IG Metall Bayern, erklärt zur Zielsetzung der Kampagne: „Wir stehen gegen jede Form von Beschäftigung, bei der die Belange der Menschen zugunsten immer höheren Profits ins Hintertreffen geraten. Aktuell betrifft das insbesondere missbräuchlich eingesetzte Werkverträge, aber auch das Thema Leiharbeit und andere Benachteiligung durch atypische Arbeit sind für uns noch längst nicht abgehakt.“

Während am 24. September im Rahmen eines erfolgreichen Aktionstages mehrere Tausend Beschäftigte der bayerischen Automobilhersteller gegen Werkverträge protestierten, erstrecken sich die Aktionen am 7. Oktober über alle Betriebe und Branchen im Organisationsbereich der IG Metall. Wechsler beschreibt die Aktivitäten: „Wir informieren und protestieren in ganz Bayern in den Betrieben, aber auch in den Fußgängerzonen und auf den Plätzen der Städte. Und dort, wo es wie in der Münchner BMW-Welt gerade ganz akute Auseinandersetzungen gibt, kann es auch zu Aktionen mit Arbeitskampfcharakter kommen.“

Die Kritik der IG Metall richtet sich ausdrücklich nicht gegen das Instrument der Werkverträge an sich, wenngleich eine aktuelle Werbekampagne der Arbeitgeber dies suggeriert. Im Fokus steht vielmehr der missbräuchliche Einsatz, um Personalkosten zu senken und Tarifverträge zu unterlaufen. Nach einer aktuellen Umfrage unter Betriebsräten in fast 600 bayerischen Betrieben setzen zur Zeit fast 80 Prozent der Unternehmen Werkverträge ein. Dabei werden zunehmend Tätigkeiten fremdvergeben, die sachlich und inhaltlich dem Kerngeschäft der Einsatzunternehmen zuzuordnen sind, beispielweise in Produktion (32%), Montage (23%) und den Bereichen Logistik, Entwicklung oder Engineering (52%). Auch die Schutzbehauptung der Arbeitgeber, in den beauftragten Werkvertragsunternehmen gebe es häufig eigene Tarifverträge, geht der Befragung zufolge an der Realität vorbei - bei mindestens 44 Prozent ist dies nicht der Fall, die Dunkelziffer liegt wegen mangelnder Transparenz vermutlich höher.

Um diese Missstände abzustellen, fordert die IG Metall Bayern die Politik nachdrücklich auf, wie im Koalitionsvertrag vorgesehen klare gesetzliche Regeln für den Einsatz von Werkverträgen zu schaffen. Wechsler: „In der ureigenen Wertschöpfungskette eines Unternehmens haben Werkverträge und Leiharbeit grundsätzlich nichts verloren. Das Leitprinzip ist und bleibt aus unserer Sicht: Ein Betrieb - ein Tarifvertrag - eine Belegschaft. Wer davon im konkreten einzelnen Bedarfsfall abweichen will, darf dies nur im Rahmen enger Grenzen der Mitbestimmung.“


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