07.09.2015
Atypische Beschäftigung steigt weiter

Die Kurve wird flacher, aber sie steigt weiter an: In Deutschland hat der Anteil atypischer Beschäftigter an allen Erwerbstätigen im Jahr 2014 erneut leicht zugenommen. Verantwortlich dafür sind vor allem wachsende Leiharbeit und Teilzeit. Am stärksten betroffen sind die westlichen Bundesländer; Bayern rangiert im Mittelfeld.

Anteil von Teilzeit, Leiharbeit und Minijobs an allen Beschäftigten (Quelle: WSI/Hans Böckler-Stiftung 2015).

Wie die Hans Böckler-Stiftung auf Grundlage ihrer Datenbank atypische Beschäftigung berichtet, arbeiteten im Jahr 2014 in Deutschland rund 39 Prozent aller abhängig Beschäftigten in Teilzeit, Leiharbeit oder Minijobs. Besonders weit verbreitet ist atypische Beschäftigung in Schleswig-Holstein (42,7%), Rheinland-Pfalz (41,8) und Niedersachsen (41,6). Bayern liegt zwar im Ländervergleich im Mittelfeld, hat aber mit Landshut den Landkreis mit der zweithöchsten Quote von fast 53 Prozent - ein unerfreulicher Rekord.

Westen hinkt hinterher

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Stiftung (WSI) wertet für seine Berechnungen die aktuellsten Statistiken der Bundesagentur für Arbeit aus und bereitet sie für Bundesländer, Städte und Landkreise auf. Interessant ist unter anderem, dass der Osten Deutschlands hinsichtlich atypischer Beschäftigung im Gegensatz zu etlichen anderen Kennzahlen insgesamt besser dasteht als der Westen. Thüringen beispielsweise hat mit gut 35 Prozent den bundesweit niedrigsten Anteil atypisch Beschäftigter. Die Wissenschaftler führen dies auf andere Erwerbsmuster vor allem bei Frauen zurück; im Westen wirken sich demnach traditionelle Rollenbilder und fehlende Möglichkeiten der Kinderbetreuung negativ aus.

Atypisch nicht immer prekär

Beschäftigung in Teilzeit stellt mit 21,8 Prozent aller abhängig Beschäftigten den größten Anteil aller atypischen Arbeitsverhältnisse dar. WSI betont in diesem Zusammenhang, dass Teilzeitbeschäftigung keinesfalls generell mit prekärer Beschäftigung gleichzusetzen ist, jedoch häufig nicht den eigentlichen Arbeitszeitwünschen der Beschäftigten entspricht. Minijobs als Hauptverdienst hatten 2014 gut 15 Prozent aller Beschäftigten; in den ostdeutschen Bundesländern ist ihre Anzahl jedoch erstmals seit Jahren deutlich zurückgegangen, während die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse entsprechend zunahmen.

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