02.09.2015
Gemeinsam für die Luitpoldhütte

Nach starken Umsatzeinbußen wird in der Luitpoldhütte bereits seit Ende 2014 kurzgearbeitet, eine spürbare Verbesserung ist derzeit nicht vor 2017 absehbar. Nachdem ein Restrukturierungs- und Investitionskonzept des Vorstandes an der Finanzierung scheiterte, musste das Traditionsunternehmen am 26. August Insolvenz anmelden. Die gute Nachricht: Alle Beteiligten wollen eine erfolgreiche Sanierung.

Die Luitpoldhütte 1968 (Foto von H.G.Graser, lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons)

Geschäftsbetrieb läuft weiter

Als Insolvenzverwalter wurde Dr. Hubert Ampferl von der Kanzlei Dr. Beck und Partner bestellt. In einer Pressemitteilung betonte er am 27. August seinen Willen, den Geschäftsbetrieb fortzuführen und das Unternehmen zu sanieren: "Die Insolvenzanmeldung hat keine Auswirkungen auf den laufenden Geschäftsbetrieb." Die Produktion wurde entsprechend zum Ende der Betriebsferien am 31. August wieder aufgenommen, im Rahmen einer Betriebsversammlung am selben Tag wurden die knapp 450 Beschäftigten informiert. Ihre Löhne und Gehälter sind nach Aussage Ampferls für drei Monate über das Insolvenzgeld gesichert. Mit den wichtigsten Kunden und Lieferanten hat er bereits Kontakt aufgenommen und ihnen zugesichert, die Luitpoldhütte werden "weiterhin alle Aufträge und neue Bestellungen in der gewohnten Zuverlässigkeit und Qualität ausführen".

Aufgeben kommt nicht in Frage

Im nächsten Schritt werden nun in Abstimmung mit dem Vorstand und der Arbeitnehmerseite mögliche Optionen für die Sanierung geprüft. Horst Ott, 1. Bevollmächtigter der Amberger IG Metall, unterstützte nach der Betriebsversammlung Ampferls Pläne: "Was er als Ziel hat, ist zu 100 Prozent auch unser Ziel." Ampferl hatte auf der Versammlung dem Erhalt der Arbeitsplätze Priorität eingeräumt und angekündigt, die Produktion werde auch 2016 weiterlaufen. Gemeinsam mit dem Betriebsratsvorsitzenden Christian Zwack verweist Ott auf die lange Geschichte der Luitpoldütte, die seit 1883 neben zahlreichen Höhen und Tiefen auch zwei Weltkriege überstanden hat. Resignieren kommt für die Beschäftigten nicht in Frage, so Zwack: "Wir kämpfen mit Leidenschaft - auch wenn wir dann verlieren sollten: Wir werden niemals aufgeben."

Potenzielle Chance

Kritik richtet sich vor allem an den russischen Mehrheitseigner JSC Cheboksary Aggregate Works. Während Vorstand, Banken und der Freistaat Bayern, als Minderheitseigner mit 26 Prozent beteiligt, hinter dem Sanierungskonzept standen, machte JSC nach ersten positiven Signalen eine Kehrtwendung. Ott ist daher nicht traurig, dass nun der Insolvenzverwalter das Sagen hat und sieht in der Situation auch potenzielle Chancen: JSC jedenfalls traue er "nicht einmal das Führen einer Frittenbude zu". Eine angesichts der schwierigen Lage relativ optimistische Stimmung herrscht vor diesem Hintergrund in der Belegschaft und im Betriebsrat, so Zwack: "Wir waren krank wie ein Patient, jetzt haben wir das richtige Medikament bekommen."

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