21.07.2015
Keine Angst vor BRIC-Investoren

China hält in Deutschland mittlerweile den zweiten Platz auf der Liste ausländischer Investoren, insgesamt arbeiten hierzulande fast 43.000 Menschen in über 1.000 Unternehmen für Investoren aus BRIC-Staaten. Bei den Betroffenen erzeugt dieser Trend oft Unbehagen - in der Regel unbegründet, wie eine Studie zeigt.

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Investoren aus China, Indien, Russland oder Brasilien könnten womöglich vor allem an deutschem Knowhow interessiert sein, um dann das Unternehmen auszuschlachten und die Filetstücke zu verlagern, lautet eine häufige Befürchtung; Betriebsräte sorgen sich unter anderem um die Haltung neuer Chefs aus dem Ausland gegenüber der deutschen Mitbestimmung.

Kaum Grund zur Sorge

In der Praxis bewahrheiten sich diese Bedenken allerdings eher als Ausnahme statt als Regel, wie Wirtschaftsgeografen im Auftrag der Hans Böckler-Stiftung herausfanden: "De Sorge um Arbeitsplätze und Mitbestimmung erwies sich in der Vergangenheit meist als unbegründet." Überwiegend stellt sich demnach nach Einstieg von oder Übernahme durch entsprechenden Investoren bald heraus, dass diese langfristige strategische Ziele verfolgen. Das Interesse gilt also nicht dem schnellen Zugriff auf Unternehmenswerte, sondern vielmehr den qualifizierten Beschäftigten und der hohen Produktqualität. Um diese nicht zu gefährden, verzichten die Investoren oft auch darauf, unmittelbar in die operative Führung einzugreifen: "Die allermeisten Investoren aus BRIC-Staaten verhalten sich relativ behutsam und kooperativ."

Keine Attacken auf die Mitbestimmung

Diese Zurückhaltung erstreckt sich meist auch auf die weltweit einmalige Mitbestimmung in Deutschland. Investoren aus den BRIC-Staaten akzeptieren sie als Teil der deutschen Wirtschaftskultur und sind gerade wegen ihrer mangelnden eigenen Erfahrung bisweilen sogar bereit, den Betriebsräten deutlichen Einfluss zu gewähren. Aus Sicht der Forscher bewährt sich eine gewählte Interessenvertretung also auch mit Blick auf solche Situationen als Vorteil für die Belegschaft, wenn sie sich frühzeitig entsprechend einbringt.


» Zusammenfassung der Hans Böckler-Stiftung

» Ernst&Young-Studie zu chinesischen Investitionen in Europa

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