21.04.2015
"Krisenhafte Symptome"

Der aktuelle Berufsbildungsbericht der Bundesregierung lässt beunruhigende Tendenzen erkennen. Die Zahl der Ausbildungsbetriebe ist seit Jahren im Sinkflug, die der neu geschlossenen Verträge auf dem tiefsten Stand seit der Wiedervereinigung. Gleichzeitig bleiben immer mehr Lehrstellen unbesetzt, weil viele Jugendliche faktisch aus dem Ausbildungsmarkt ausgesperrt werden.

Durchwachsene Bilanz für Jugendliche ...

Die Politik versucht zwar im Berufsbildungsbericht 2015, die Lage in einem positiven Licht darzustellen. Vom dualen System als "wesentlicher Säule für die Deckung des Fachkräftebedarfs" ist darin die Rede, der niedrigsten Jugendarbeitslosigkeit der EU und einer "für die Jugendlichen leicht verbesserten" Lage am Arbeitsmarkt. An den statistischen Fakten führt indes kein Weg vorbei: Die "leichte Verbesserung" besteht im Wesentlichen in einem etwas verlangsamten Rückgang der Ausbildungszahlen von 3,4 auf 1,4 Prozent - kein Grund zum Jubeln also, vor allem für die knapp 21.000 leer ausgegangenen BewerberInnen.

... und Wirtschaft

Auch für die Wirtschaft, in der sich vor allem kleine Betriebe aus der Ausbildung zurückziehen, sieht die Lage nicht rosig aus. Mit über 37.000 erreicht die Menge der unbesetzten gebliebenen Ausbildungsstellen einen neuen Rekord im langjährigen Vergleich. Der Bericht mahnt in diesem Zusammenhang, Jugendliche hätten "nicht immer die richtigen Vorstellungen", aber wenigstens auch, dass die "Betriebe neu über die Attraktivität ihrer Ausbildung nachdenken müssen".

Betriebliche Ausbildung stärken

Deutlich offener spricht der DGB die kritischen Faktoren an, die nicht nur im neuesten Berufsbildungsbericht sichtbar werden, sondern zum Teil langjährige Tendenzen weiter zementieren. Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack spricht angesichts rückläufiger betrieblicher Ausbildungsplätze, zunehmender Jugendlicher ohne Lehrstelle und steigender unbesetzter Ausbildungsplätze von "krisenhaften Symptomen" am Ausbildungsmarkt und betont: "Wir brauchen in unserem Land in Zukunft mehr und nicht weniger Jugendliche in betrieblicher Ausbildung."

HauptschülerInnen ausgeschlossen?

Momentan allerdings findet sich ein seit langem erstmals wieder steigender Teil der Schulabgänger im sogenannten Übergangsbereich zwischen Schule und Arbeitsmarkt wieder, wobei die Wirksamkeit vieler damit verbundener Maßnahmen nicht unumstritten ist. Das Kernproblem nennt der DGB offen beim Namen: Eine Analyse der bundesweiten Lehrstellenbörse von Industrie- und Handelskammern zeigt, dass "fast zwei von drei Ausbildungsplätzen Jugendlichen mit einem Hauptschulabschluss schon bei der Bewerbung komplett verschlossen bleiben". Die Betriebe setzen bei den BewerberInnen statt dessen Mittlere Reife oder Abitur voraus - den immer lauter beklagten Fachkräftemangel werden sie auf diese Weise jedenfalls nicht bewältigen.

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