14.01.2015
Auftakt der Tarifrunde 2015 in der Metall- und Elektroindustrie ohne Ergebnis

(Pressedienst 03/2015: Arbeitgeber bleiben Angebot schuldig) In Augsburg ist am frühen Mittwochnachmittag die erste Verhandlung der Tarifrunde 2015 in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie ergebnislos zu Ende gegangen. Die Vertreter der IG Metall Bayern trugen dem Verband der bayerischen Metall- und Elektroindustrie (vbm) ihre Forderungen vor.

Diese sind aus Sicht der IG Metall nur als Gesamtpaket erfüllbar, das einen um Regelungen für eine tarifliche Bildungsteilzeit erweiterten Tarifvertrag zur Qualifizierung, einen verbesserten Tarifvertrag zum flexiblen Übergang in die Rente sowie die Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen um 5,5 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten enthält. Die Vertreter des vbm wiesen die Forderungen der Arbeitnehmer zurück, legten jedoch ihrerseits kein eigenes Angebot vor. Vor der Verhandlung hatten nach Zählung der Polizei rund 2.500 Beschäftigte aus Metall- und Elektrobetrieben in ganz Bayern die Forderungen der Arbeitnehmerseite mit einem Demonstrationszug und einer Kundgebung vor dem Verhandlungslokal unterstrichen.

Wechsler begründet die drei Forderungen ausführlich. Zur Entgeltforderung, die sich aus erwarteter Produktivitätsentwicklung und Inflation sowie einer Umverteilungskomponente errechnet, betonte er: „Die Tarifrunde 2015 findet in einem wirtschaftlichen Umfeld statt, das insgesamt positiv ist. Anders als von Gesamtmetall behauptet ist unsere Forderung finanzierbar und gefährdet in keinster Weise die konjunkturelle Entwicklung oder gar die Wettbewerbsfähigkeit.“ Der bisherige Tarifvertrag zur Altersteilzeit läuft aufgrund der Einführung der abschlagsfreien Rente für langjährige Beitragszahler Ende März 2015 aus und muss daher zwingend neu abgeschlossen werden. Dabei sind spürbare Verbesserungen dringend nötig, erklärte Wechsler: „Wir wissen durch unsere Betriebsrätebefragung, dass der Bedarf der Beschäftigten nach Altersteilzeitverträgen sehr groß ist und demografisch bedingt weiter wächst. Verbesserungen sind bei den individuellen Anspruchs- und Zugangsmöglichkeiten, der finanziellen Ausstattung und der Anzahl der Anspruchsberechtigten unverzichtbar.“

Eindeutiger Handlungsbedarf besteht auch bei der Bildungsteilzeit, die auf besonders starre Ablehnung der Arbeitgeber stößt. Die aktuellen Aufwendungen für Weiterbildung in der Metall- und Elektroindustrie liegen bundesweit bei nicht einmal einem halben Prozent des Umsatzes der Branche, kritisierte Wechsler: „Aber auch bei den Unternehmen, die Weiterbildung anbieten, sieht es nicht besser aus. Weniger als die Hälfte der Beschäftigten nimmt an einer Weiterbildung teil. Das ist insgesamt völlig unzureichend für die Bewältigung von Herausforderungen wie beispielsweise der Digitalisierung beziehungsweise Industrie 4.0. Deshalb brauchen wir einen tariflichen Anspruch auf Freistellung und einen Entgeltausgleich. Beschäftigte ohne Berufsausbildung sollen eine echte Chance auf einen Abschluss bekommen oder Facharbeiter ihren Techniker-, Bachelor- oder Masterabschluss machen können.“

Die zweite Verhandlung findet am 28. Januar in München statt. Am selben Tag um Mitternacht endet zugleich die Friedenspflicht, ab diesem Zeitpunkt kann zu Warnstreiks aufgerufen werden.

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