04.11.2014
Altersarmut wächst weiter

Jeden Herbst gibt das Statistische Bundesamt etliche Zahlen heraus, darunter die Entwicklung der Gruppe in Deutschland, die im Rentenalter auf staatliche Unterstützung angewiesen ist. Allen Abwiegelungs- und Differenzierungsversuchen zum Trotz bestätigt sich dabei ein alarmierender Trend: Immer mehr Menschen geraten in Altersarmut.

(Grafik: Destatis)

Eine halbe Million Rentner mit Sozialhilfe

Bereits im Jahr 2012 nahm ihre Anzahl um 6,6 Prozent zu, 2013 lag die Steigerung laut aktueller Mitteilung des Amtes nun gar bei 7,4 Prozent. In absoluten Zahlen sind es damit jetzt 499.000 Menschen, die im Alter nicht ohne die sogenannte Grundsicherung nach Kapitel 4 SGB XII - also Hartz IV - über die Runden kommen. Nicht besser steht es um die Gesamtanzahl der Hartz IV-Empfängerinnen, denn auch in anderen Gruppen wächst die Bedürftigkeit: Am Jahresende 2013 waren es insgesamt 962.000 volljährige Menschen, ein Jahr zuvor lag ihre Anzahl noch unter 900.000.

Ablehnung für "Flexi-Bonus"

Ganz sicher keine Lösung für die immer unübersehbare Misere ist nach Auffassung der IG Metall und etlicher anderer Oragnisationen der sogenannten "Flexi-Bonus". Der Wirtschaftsflügel der Union will mit finanziellen Anreizen aus den Sozialkassen Senioren motivieren, über das Rentenalter hinaus weiterzuarbeiten und hofft, auf diese Weise gleichzeitig dem Fachkräftemangel zu begegnen. Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, warnte, mit derlei Maßnahmen würden den Sozialkassen dringend benötigte Mittel ohne die erhofften Effekte entzogen: "Mit einem Bonus aus den Sozialkassen Senioren massenhaft an die Schreibtische und Fließbänder zurückbringen zu wollen, muss angesichts der Belastungen der modernen Arbeitswelt scheitern. Der arbeitende Rentner als Retter vor der vermeintlichen demographischen Katastrohe ist eine Schimäre. Er kann keinen wirklich durchgreifenden Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten."

Rückenwind für die Forderung, statt dessen wirksame Reformen am Arbeitsmarkt auf den Weg zu bringen, kommt unter anderem von der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Ihr Vorsitzender Wolfgang Stadler warnte davor, langfristige Bekämpfung und Verhinderung von Altersarmut aus dem Blick zu verlieren, etwa durch Eindämmung des Niedriglohnsektors und die Vermeidung eines sinkenden Rentenniveaus.

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