26.09.2014
Leuchtturm in Schweinfurt

Keine Sorge, der Klimawandel hat Schweinfurt noch nicht zum Küstenort gemacht. Dennoch gibt es dort seit vergangener Woche einen Leuchtturm: IG Metall und BUND Naturschutz haben ein gemeinsames Projekt zur Entwicklung nachhaltiger Industriepolitik ins Leben gerufen, das in diesem Bereich richtungsweisend werden und Orientierung ermöglichen soll.

Perspektiven sozial-ökologischer Industriepolitik

Im Rahmen einer Auftaktveranstaltung mit zahlreichen Gästen wurde das Projekt, mit dem BUND Naturschutz und IG Metall Bayern vorerst bis Mitte 2016 die Perspektiven einer sozial-ökologischen Industriepolitik ausloten wollen, am 18. September in Schweinfurt aus der Taufe gehoben. Peter Kippes, erster Bevollmächtigter der Schweinfurter IG Metall, betonte in seiner Begrüßung die grundlegende Idee: "Immer mehr wächst bei Gewerkschaften, Umweltschützern und auch Unternehmen die Erkenntnis, dass ökologische Fragen, Ressourcenschonung und soziale Gerechtigkeit eng miteinander verbunden sind."

Die Region Schweinfurt bietet sich in diesem Zusammenhang aufgrund ihrer Offenheit, ihres politischen, industriellen und ökologischen Engagements sowie ihres Zukunftspotenzials an, wie IG Metall-Bezirksleiter Jürgen Wechsler betonte: "In den Schweinfurter Betrieben wird nicht resigniert, vielmehr mischt ihr euch ein, organisiert Widerstand und macht Gestaltungsvorschläge. Die Kraft für diese Auseinandersetzungen kommt ohne Zweifel aus den Betrieben heraus - dort ist die IG Metall stark vertreten."

Auf die Arbeit von der Basis nach oben setzt auch der BUND, wie sein bayerischer Vorsitzender Hubert Weiger mit Blick auf ein ähnliches Vorgehen seines Verbandes mit Landwirten in der Vergangenheit. Dieser Weg sei zwar nicht immer einfach, aber erfolgversprechend, erklärte Weiger: "Hier wird ein Stein ins Wasser geworfen und wir hoffen, dass er viele Kreise zieht." An diesem Ziel ausdrücklich zur Mitarbeit aufgefordert sind auch Politik, Wissenschaft und Unternehmen.

Gemeinsam Neuland betreten

Gestaltungsbedarf und -möglichkeiten wird es auf dem Weg zu einem sozial-ökologischen Umbau Schweinfurts reichlich geben. Das Projekt soll sich nicht etwa auf Theorie und abstrakte Überlegungen und Diskussionen beschränken, sondern Antworten auf konkrete und praktische Fragen entwickeln - wie wird in der Region in den kommenden Jahren und Jahrzehnten gearbeitet und gelebt? Schon bei der Auftaktveranstaltung blieb es nicht bei Ansprachen: Acht Arbeitsgruppen beschäftigten sich mit den drei Themenbereichen Energieeffizienz in Produkt und Prozess, Mobilität von Mitarbeiter/Innen und Produkte für Mobilität der Zukunft sowie attraktiver Standort und Lebensqualität in Schweinfurt/Main-Rhön. Es liegt auf der Hand, dass es auf die meisten Fragen noch keine fertigen Antworten gibt, so Wechsler: "Wir haben auch noch keinen Masterplan in der Tasche, vielmehr wollen wir hier gemeinsam mit euch Neuland betreten und - ansetzend an euren Bedürfnissen und Interessen - Konzepte und Ideen entwickeln, die wir in der Folge gemeinsam umsetzen."

Die bereits erprobte und zunehmend intensive Zusammenarbeit der IG Metall mit dem BUND bietet sich im Themenbereich sozial-ökologischer Politik besonders an. Wechsler nannte exemplarische Aspekte, die man gemeinsam bearbeiten will: Wie muss sich die regionale Industrie hinsichtlich Produktportfolio, Prozesslandschaft und Mitarbeiterqualifizierung auf die Herausforderungen der Zukunft einstellen? Wie kann sich dies in zukunftsfähige neue Arbeitsplätze niederschlagen? Wie kann es gelingen, die Interessen der Arbeit und der Umwelt miteinander in Einklang zu bringen? Wie kann ein arbeitnehmerorientiertes verkehrspolitisches Konzept in der Region aussehen, und wie können Nutzer auf all diese Mobilitätssysteme schnell und unkompliziert zugreifen? Und wie kann es gelingen, die sozialen Interessen des Menschen bei den anstehenden Veränderungsprozessen in den Mittelpunkt zu stellen? BUND und IG Metall stimmen mit Blick auf diese Fragen in grundsätzlichen Punkten überein: Produktion und Wirtschaft müssen ökologisch und sozial tragfähig sein, und nachhaltige Modernisierung kann nur mit und über die Industrie - und ihre Beschäftigten - gelingen.

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