18.09.2014
Konflikte, Kämpfe, Kompromisse

- unter diesem Titel erinnerte die IG Metall in Schweinfurt an zwei herausragende Jubiläen in diesem Jahr: Den historischen "Bayern-Streik" von 1954 und den Kampf um die 35-Stundenwoche 1984. Von den Erinnerungen der Zeitzeugen spannte die Veranstaltung den Bogen zu den Konsequenzen für die tarifpolitische Zukunft - auch konkret für die bevorstehende Tarifrunde 2015.

Diskussion mit Zeitzeugen, darunter der frühere Bezirksleiter der IG Metall Bayern Werner Neugebauer (Mitte).

Erkämpftes bewahren, neues erreichen

Im Schweinfurter Konferenzzentrum blickten Betriebsräte und GewerkschafterInnen aus dem ganzen IG Metall-Bezirk Bayern am 15. September zu diesem Anlass auf die beiden gewerkschaftlichen Meilensteine zurück. Gleichzeitig richteten sie den Blick aber auch nach vorn, wie Peter Kippes, erster Bevollmächtigter der IG Metall Schweinfurt, bei der Eröffnung betonte: "Der Verdienst der aktiven Generation sollte mindestens das Bewahren des Erkämpften, besser noch die Erreichung neuer Ziele sein."

Die symbolische Zeitreise begann im Schweinfurt von 1954. Angesichts der guten wirtschaftlichen Entwicklung forderten die Gewerkschaften damals einen fairen Anteil für die Beschäftigten, der in anderen Gebieten überwiegend ohne Streik gelang. In Bayern allerdings wollten die Arbeitgeber gar nicht erst in Verhandlungen eintreten - offensichtlich sollten mit einer Machtprobe Eckpunkte für das Verhältnis mit der Arbeitnehmerseite gesetzt werden. Die IG Metall entschied sich in dieser Situation für die Auseinandersetzung; es folgte ein Arbeitskampf, wie er in dieser Härte und Intensität heute nur noch schwer vorstellbar ist. Die Ergebnisse dieser Auseinandersetzung wurden schließlich unterschiedlich bewertet und prägten die darauf folgenden Jahre nachhaltig und für viele MetallerInnen lange schmerzhaft.

Zeit zum Leben, Lieben, Lachen

Weniger rücksichtslos, aber ebenso hartnäckig begann 30 Jahre später der Kampf um die 35-Stundenwoche. Der ehemalige Bezirksleiter Werner Neugebauer schilderte den langen Weg bis zu ihrer Einführung anschaulich: "Die IG Metall forderte die Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 40 auf 35 Stunden - bei vollem Lohnausgleich. Das sollte helfen, die Arbeit gerechter zu verteilen. Das Ziel: Arbeit sichern und neue Stellen für die damals 2,5 Millionen Erwerbslosen schaffen. Und schließlich, Arbeit menschlicher machen: 'Mehr Zeit zum Leben, Lieben, Lachen' - dafür stand die 35-Stunden-Sonne. Die Arbeitgeber waren strikt dagegen."

Gegenwart und Zukunft

Die gewerkschaftliche Zeitreise endete in der tarifpolitischen Gegenwart und der Zukunft. Der erfolgreiche Pilotabschluss von 1995 beseitigte die letzten Reste des "Traumas" von 1954; Jürgen Wechsler, Neugebauers Nachfolger als Bezirksleiter der bayerischen IG Metall, machte keinen Hehl aus dem Stolz über das Gelingen eines weiteren bayerischen Pilotabschlusses im Jahr 2013. Für die bevorstehende Metall- und Elektrotarifrunde ab 2015 schließlich herrscht Einigkeit über die Bedeutung von Regelungen für flexible Ausstiegsmöglichkeiten und die Verbesserung von Qualifizierungsmöglichkeiten. Wechsler betonte die Bereitschaft der IG Metall Bayern, für diese und andere Ziele zu streiten - die Arbeitgeber sollten sich darüber keine Illusionen machen.

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