04.09.2014
Zahlenspiele für die Arbeitsmarktstatistik

Ende August konnte die Bundesagentur für Arbeit wieder einmal Positives vermelden: "Die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt setzt sich tendenziell fort", erklärte ihr Vorstandsvorsitzender Frank-J. Weise bei der monatlichen Vorlage der aktuellen Zahlen. Bei genauem Hinschauen gibt es allerdings einen Haken, der offiziell nur nebenbei erwähnt wird.

Durch eine "Modernisierung" der Datenaufbereitung für die Beschäftigtenstatistik nämlich erscheinen wie von Zauberhand einige Hundertausend Beschäftigte mehr als bei der bisherigen Zählweise. Im Jargon der Agentur heißt es dazu lapidar, die Gruppe der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten werde auf diese Weise "umfassender abgegrenzt" sowie die Beschäftigungsart "genauer bestimmt". Anstandhalber räumt sie zumindest ein: "Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nimmt im Saldo durch die Revision zu."

"Geschraubt, verschönert, versteckt"

Weniger schlicht beschreibt unter anderem "Spiegel online" die Umstellung der Statistik und fasst zusammen: "Die größte Behörde Deutschlands hat an der wohl bekanntesten Statistik Deutschlands geschraubt, sie verschönert und gibt dies nun nahezu versteckt bei der monatlichen Arbeitsmarktstatistik preis." Scharfe Kritik kommt auch vom DGB: Die Umstellung sorgt nach seiner Auffassung "rein rechnerisch für höhere Beschäftigtenzahlen und eine niedrigere Arbeitslosenquote. An der tatsächlichen Arbeitsmarktsituation ändert sich nichts".

Virtueller Beschäftigungsschub

Tatsächlich fällt es nicht leicht, die Veränderungen als Erhöhung der statistischen Genauigkeit und der Transparenz zu begreifen. Statt dessen werden jetzt Personengruppen in die Summe der Beschäftigten im Sinne einer sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigkeit einbezogen, die dort eigentlich nichts verloren haben. Betroffen sind unter anderem Menschen in Behindertenwerkstätten und ähnlichen Einrichtungen, in der Jugendhilfe, in einem freiwilligen sozialen Jahr oder im Bundesfreiwilligendienst. Rechnerisch erzeugt das gleich im ersten Monat einen ansehnlichen Beschäftigungsschub von über 400.000 - ohne, dass ein einziger Arbeitsplatz real hinzugekommen wäre.

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