04.07.2014
Zukunft der Arbeit - wie wollen wir arbeiten und leben?

(Pressedienst 15/2014: Funktionärskonferenz der IG Metall Bayern) Rund 600 Funktionäre der bayerischen IG Metall diskutieren am Freitag, den 4. Juli, in Unterschleißheim bei München ihre Vorstellungen zur Zukunft der Arbeit und daraus resultierende Anforderungen an Politik und Industrie.

Nachdem die Bundesregierung etliche im Koalitionsvertrag festgeschriebene Maßnahmen auf den Weg gebracht hat, wendet sich die IG Metall Aspekten der Arbeitswelt zu, die als nächstes auf die politische Agenda gesetzt werden müssen. Die Funktionärskonferenz stellt in diesem Prozess einen wichtigen Schritt zur Entwicklung und Formulierung entsprechender Ziele dar.

Eine der Grundlagen dieser Thematik bilden die Ergebnisse der Beschäftigtenbefragung der IG Metall, an der sich bundesweit rund 500.000 Menschen beteiligt und unter anderem ihren Wunsch nach regulären Beschäftigungsverhältnissen, ausreichendem Einkommen sowie mehr Mitsprache und Gestaltungsmöglichkeiten bekräftigt haben. Detlef Wetzel, erster Vorsitzender der IG Metall, betonte am Vormittag die Herausforderung des aktuellen wirtschaftlichen, technologischen, sozialen und ökologischen Wandlungsprozesses, der aus Sicht der IG Metall nur mit Fokus auf die Beschäftigten bewältigt werden kann: „Der wichtigste Rohstoff unserer Wirtschaft war noch nie Gas oder Öl, sondern schon immer das Know-How und das Engagement gut ausgebildeter Fachkräfte.“

Nach Überzeugung der der Beschäftigten muss ein neues Verständnis von Normalarbeitsverhältnissen sich daher nicht nur an den Flexibilitätsanforderungen von Unternehmern orientieren, sondern vor allem viel mehr an denen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Wetzel erläuterte die daraus abgeleiteten und breit diskutierten Forderungen in der IG Metall für die Beschäftigten: mehr Zeitsouveränität,  in Form von Weiterbildungsmöglichkeiten als Schlüssel beruflichen und sozialen Aufstieges, sowie flexibel anpassbare Übergangsmöglichkeiten in die Rente.

Jürgen Wechsler, Bezirksleiter der IG Metall Bayern, kritisierte angesichts der Deregulierung der vergangenen Jahrzehnte den Niedergang der Arbeit zu „Ramsch- und Billigware“. Er forderte nachdrücklich eine grundlegende Kurskorrektur: „Diese Entwicklung hat keine Zukunft und ist nicht sicher, geschweige denn fair. Die IG Metall wird alles daran setzen, dass wir wieder zu Fairness und gesicherten Normalarbeitsverhältnissen zurückkehren.“ Die Gesetzesänderungen zu Mindestlohn, Tarifstärkung und der Rente mit 63 für langjährige Beitragszahler reichen dazu nicht aus, so Wechsler: „Die Unternehmen müssen in Zukunft stärker auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen - das beginnt mit Tarifbindung und fairem Entgelt, und reicht weiter zu Faktoren wie Arbeitsplatzsicherheit, Qualifizierung und der Vereinbarkeit von Arbeit und Leben.“

Die Ergebnisse der aktuellen Diskussion in den Gremien der IG Metall und den Betrieben werden auch in die Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie 2015 einfließen. Neben einer Entgeltforderung wird die IG Metall wie bereits im Jahr 2012 qualitative Forderungen stellen, mit denen sich die Konferenzteilnehmer am Freitag Nachmittag in Workshops beschäftigen. Im Vorfeld kristallisieren sich in diesem Zusammenhang zwei zentrale Themenfelder heraus, so Wechsler: „Unter der Fragestellung ‚Wem gehört die Zeit?‘ wollen wir faire und verbindliche Möglichkeiten für Aufstieg und Ausstieg entwickeln. Zum einen können das Regelungen sein, die den Beschäftigten finanziell und zeitlich Anspruch auf Bildung einräumen, die sie in ihrer beruflichen Entwicklung weiterbringt. Zum anderen geht es um flexible Ausstiegsmöglichkeiten vor dem Rentenalter, ohne dass es zu sozialen Risiken für die Betroffenen kommt.“

Die Funktionärskonferenz der IG Metall Bayern setzt vor diesem Hintergrund ein klares Signal, fasst Wechsler zusammen: „Es geht um Zeit und Geld bei der bevorstehenden Tarifrunde, und darauf bereiten wir uns jetzt mit aller Konsequenz vor.“

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