24.06.2014
Mindestlohn: keine negativen Beschäftigungseffekte

Von Beginn der Diskussion um den gesetzlichen Mindestlohn war und ist einer der Haupteinwände der Gegner, solche Regelungen würden Arbeitsplätze gefährden. Eine soeben präsentierte Studie des Institutes Arbeit und Qualifikation der Uni Duisburg Essen räumt ein weiteres Mal mit diesem Totschlagargument auf.

Das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) stellte seine im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung erstellte Studie zur Einführung des gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro in Deutschland am Montag der Öffentlichkeit vor. DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell fasste das Ergebnis zusammen: "Die Einführung des Mindestlohns ist notwendig, um dem seit den 90er Jahren ausufernden Niedriglohnsektor Einhalt zu gebieten; zudem ist dieser Mindestlohn im europäischen Vergleich keineswegs hoch angesiedelt und er wird keine negativen Beschäftigungseffekte zur Folge haben."

"Apokalytische Drohungen"

... machen die Forscher in der deutschen Debatte um eine allgemeine Lohnuntergrenze in Bezug auf angeblich bevorstehende Arbeitsplatzverluste aus. Deren hartnäckiges Auftreten führen sie darauf zurück, dass neuere Erkenntnisse aus internationalen Untersuchungen auch in Expertenkreisen noch häufig schlicht ignoriert werden. Tatsächlich sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche und problemlose Mindestlohneinführung hingegen nach ihrer Auffassung günstig: Deutschland zählt EU zu den Innovationsführern in Europa, deren Betriebe gut mit Effizienzsteigerungen auf die Lohnuntergrenze reagieren können. Die entgegen verbreiteter Vorurteile gute Qualifikation der meisten Beschäftigten im Niedriglohnbereich erleichtert die Einführung zusätzlich, denn über drei Viertel der Betroffenen mit Stundenlöhnen unter 8 Euro 50 haben einen beruflichen oder akademischen Abschluss.

Kein theoretisches Fundament ...

Auch aus der ökonomischen Theorie lässt sich strikter Zusammenhang zwischen Mindestlöhnen und Beschäftigung ableiten, wie die Wissenschaftöler betonen. Um die angebliche Sorge um Arbeitsplätze wirtschaftswissenschaftlich zu begründen, müsste man nach ihrer Einschätzung daher ein unrealistisches Modell als Grundlage zeichnen, das auf Deutschland offenkundig nicht zutrifft: eine statische Wirtschaft ohne Arbeitgeberübermacht, ohne dynamische Unternehmer und Beschäftigte sowie ohne staatliche Innovations- und Bildungspolitik.

... und keine praktischen Beispiele

Weiter untermauert wird das positive wissenschaftliche Bild der Mindestlohneinführung durch einen gründlichen Blick auf neuere Studien und Analysen in anderen Ländern. Sie führen zu der Erkenntnis, dass negative Beschäftigungswirkungen von Mindestlöhnen gering sind, Beispiel USA: Sowohl der relativ niedrige National Minimum Wage, als auch die deutlich höheren regionalen Living Wages führen zwar gegebenenfalls zu leichten Preissteigerungen, haben aber in der Regel keine negativen Beschäftigungswirkungen. Im Gegenzug tragen sie dazu bei, die Fluktuation der Beschäftigten im Niedriglohnsegment zu verringern, so dass die Unternehmen erheblich weniger für die Suche, Einarbeitung und Weiterbildung von Beschäftigten aufwenden müssen.

Der DGB sieht in diesen Egebnissen eine Bestätigung seiner Forderung, den Mindestlohn schneller als bislang im Gesetzentwurf vorgesehen anzuheben. Der Forderung des IAQ, Verstöße massiv zu sanktionieren schließt er sich ebenso an wie der Auffassung, dass der Mindestlohn nur unter dieser Bedingung effektiv wirken und kontrolliert werden kann.


» Download der Studie bei der Hans Böckler-Stiftung

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